Blickpunkt Fuenfseenland

AKTUELL

Obst- und Gartenbauverein

Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Gilching

Auf dem Foto die Mitglieder von links: Helga Promoli, Hermann Dilg, Marina Leonī, Hannes Langhain, Gertraud Kniebler, Lukas Stein, Ernst Stark, Melanie Bastin, Toni Promoli und Wolfgang Keppeler

Bald ist Obsternte - dann gibt es Bio-Saft

Gilching – Trotz Corona, die Arbeit auf Feld und Flur kann nicht liegen bleiben. Dies trifft auch auf den Lehrgarten des Obst- und Gartenbauvereins in Gilching zu. Um sowohl die Streuobstwiese wie auch die diversen Pflanzungen und Imkerstöcke in Schuss zu halten, ist regelmäßige Pflege notwendig.

In wenigen Jahren feiert der Obst- und Gartenbauverein Gilching seinen hundertsten Geburtstag. Seit Gründung im Jahr 1926 haben sich die Anforderungen gewaltig geändert, weiß Vorsitzender Wolfgang Keppeler. Insbesondere fehle der Nachwuchs. „Wir haben zwar 440 Mitglieder. Doch der Altersdurchschnitt liegt zwischen 60 und 80 Jahren, wobei die Frauen in der Überzahl sind“, erklärte er anlässlich eines Pflegetages im Lehrgarten. Eine wahre Idylle zwischen Westumgehung und Jais-Weiher. Inmitten von rund 60 Obstbäumen, Hochbeeten und Beerensträucher lädt zudem eine Bank an einem abseits gelegenen Weiher ein, für Momente den Alltag zu vergessen. „Spannend ist es, wenn die Kaulquappen schlüpfen. Dann tummeln sich tausende dieser künftigen Frösche rund ums Ufer. So lange, bis die Kreuzotter auftaucht, und sie auffrisst. Es überleben aber noch genug, die im Sommer dann mit fröhlichem Quaken für Unterhaltung sorgen“, betont Keppeler. Im nahenden Herbst setzt der Verein sein Augenmerk ganz auf die Obsternte. Vor allen Dingen sind es Äpfel verschiedener Sorten aber auch einige Birnen, die geerntet und gemeinsam zum Pressen gefahren werden. „Wir legen Wert auf eine regionale Obstpresse, wo wir genau wissen, dass wir auch den Saft der angelieferten Ware bekommen.“ Heuer rechnet der Vorsitzende mit rund 400 Kilogramm Obst, das dann als Bio-Saft im luftdichten 5-Liter-Bigpack verpackt abgeholt wird. „Auge mal Pi ergeben zwanzig Kilo Obst rund fünf Liter Saft. Dieser wird aber ausschließlich nur an unsere Mitglieder verkauft.“

Stolz sei man, dass der Verein im Frühjahr unter dem Motto „Bayern blüht“ die Auszeichnung „Naturgarten“ erhalten habe. „Das motiviert natürlich, so wie bisher weiterzumachen.“ Wobei wegen Corona sämtliche Live- und gesellschaftlichen Veranstaltungen, so auch das „Apfelblütenfest“ im April, ausgefallen sind. „Wir müssten schon längst wieder zu einer Mitgliederversammlung einladen. Doch bei über 400 Mitgliedern ist es schwierig, eine geeignete Lokalität zu finden. Mal schauen, ob sich im Herbst eine Lösung dafür findet.“ Eine Sorge ist Keppeler inzwischen genommen. „Ich trete ja bei den Neuwahlen im nächsten Jahr nicht mehr als Vorsitzender an. Meine Befürchtung war, keinen Nachfolger zu finden. Doch der ist inzwischen in Marina Leon´ gefunden. Sie ist trotz junger Jahre (29) ein Profi auf dem Gebiet und deshalb kann ich auch beruhigt abtreten.“ Vier Jahre war Keppeler dann Vorsitzender in Gilching, 12 Jahre zuvor in Wörthsee und außerdem fünf Jahre Vorsitzender des Kreisverbandes. „21 Jahre im Sinne der Natur reicht“, betont der 52-Jährige Gärtner im Bauhofes in Wörthsee. Marina Leon´ wiederum ist selbstständige Baumpflegerin und außerdem Angestellte der Internet-Plattform Baumpflegeportal.de. Was noch gesucht wird, sei ein(e) Kassier/erin sowie ein(e) Stellvertreter(in) der neuen Vorsitzenden. „Wer Lust hat, bei uns mitzumachen, kann sich über unsere Homepage informieren oder direkt bei mit anrufen“, sagte Keppeler. Die Adresse im Internet lautet www.ogv-gilching.de, telefonisch ist er unter 0173-8639149 erreichbar. Wünschenswert wäre außerdem, wenn sich künftig mehr jüngere Gartenfreunde als Mitglieder engagieren würden. Der Jahresbeitrag liegt bei zehn Euro. Uli Singer   

IM KANAL UNTERWEGS AUF GEBISSSUCHE

Peter Hasselbeck

Herrsching/Andechs - Im Herbst soll mit den Sanierungsarbeiten des rund 50 Jahre alten Abwasserkanals zwischen Andechs und Herrsching begonnen werden. Bereits vor rund 30 Jahren war es Peter Hasselbeck, der den Kanal im Auftrag des damaligen Abwasser-Zweckverbandes Ammersee Ost mittels TV-Kamera untersuchte. Er erinnert sich noch gut an eine Geschichte, die seinerzeit für Schmunzeln bei den Einheimischen sorgte.  

Experte in Punkto Abwasserentsorgung war damals Peter Rührmeyer aus Inning. Der heute 80Jährige war von 1968 bis 2001 als Vorgänger von Hermann Doblinger Geschäftsführer des Abwasser-Zweckverbandes Ammersee Ost (heute AWA Ammersee - Wasser- und Abwasserbetriebe). „Mussten früher defekte Stellen, Risse oder eingewachsenes Wurzelwerk aufgespürt werden, galt das Prinzip der Spiegelung mittels eines Spiegels und einer starken Lampe“, weiß Rührmeyer. „Eine völlig unzureichende Methode.“ Der Umbruch bei den Abwasserverbänden in Bayern kam um 1980 herum. Die TV-Kamera hielt Einzug. Rührmeyer gelegen kam, dass Peter Hasselbeck als Bauleiter bei einer Inninger Firma unter anderem für den Zweckverband Ost Kanäle konzipierte und auch baute. „Als ich ihn fragte, ob er sich vorstellen könnte, sich für uns auf die Kanaluntersuchung per Kamera zu spezialisieren, hat er sofort ja gesagt. Die Kamerabefahrung ist auch heute noch die beste Möglichkeit, den Zustand nicht begehbarer Rohrleitungen zu beurteilen. Dadurch können Schäden wie Wurzeleinwuchs, Rohrbruch oder Muffen-Versatz festgestellt, geortet und repariert sowie die Rohre wieder gut durchspült werden“, betont Rührmeyer.

Peter Hasselbeck startete damit im Jahr 1989. „Es war eine neue Herausforderung, die ich gerne angenommen habe“, erzählt der 78Jährige aus der Oberpfalz. Zumal im Laufe der Jahre einige kuriose Dinge passiert sind. Insbesondere an eine Episode erinnert er sich gerne. „Wir waren im Kiental beschäftigt und mussten den Kanal zwischen Andechs und Herrsching untersuchen.“ Einer seiner Mitarbeiter, der für die Kameraführung zuständig war, sei der vor fünf Jahren verstorbene Alois Ringlstetter gewesen. Hasselbeck saß derweilen im Bauwagen und beobachtete von dort aus die Aufnahmen über einen Bildschirm. Mit Ringlstetter hielt er per Funk Kontakt. „Es war ein Samstag und es waren viele Pilger unterwegs“, so Hasselbeck. Vom Bauwagen aus habe er mitbekommen, dass die Wanderer stehen blieben und sich bei Ringlstetter nach dem Sinn der Arbeiten erkundigten. „Was machen’s denn da“, fragte neugierig ein Pilger, der mit einer Gruppe aus Augsburg unterwegs war. Worauf ihm Ringlstetter, ohne mit der Wimper zu zucken, geantwortet habe: „Ja, wissen’s. Der Abt vom Kloster Andechs hat beim Biesln sein Gebiss verloren. Und wir haben jetzt den Auftrag, es zu suchen und es unversehrt wieder zurück zu bringen.“ Wobei die Pilger laut Hasselbeck sichtlich erstaunt waren, dass man sich wegen eines Gebisses so viel Arbeit macht. Sie seien zudem überzeugt gewesen, dass ein weiterer Kanalarbeiter zu Fuß in den Rohren unterwegs war, um persönlich nach dem Gebiss zu suchen. „Die Wanderer haben ja nur den Ringlstetter gesehen, wie er in den Kanalschacht hineinschaute und sich per Funk mit mir im Bauwagen unterhielt. Sie dachten deshalb, weil ich ja im Verborgenen saß, dass er sich mit einem Kollegen im dunklen Schacht verständigte.“ Uli Singer 

 

TSV-Kicker spielen künftig in der Kies-Arena

TSV-Präsident Peter Kramer (Mitte)...

war Initiator für das Sponsoring und freut sich nun über den Erfolg

Gilching – Trotz Corona, es gibt auch positive Nachrichten. Auf der Delegierten-Versammlung des TSV-Gilching, die ausschließlich über digitale Medien ablief, punktete Präsident Peter Kramer mit der Nachricht: „Wir haben einen neuen Sponsor gefunden. Unser Sportstadion wird für eine gewisse Zeit Kies-Arena heißen.“

„Wir sind geübt. Deshalb war die digitale Delegierten-Versammlung für uns auch kein Problem“, erklärte Peter Kramer auf Anfrage. Es seien auch genügend Delegierte am Bildschirm gesessen, so dass die Beschlussfähigkeit gegeben war. Zudem wurde frühzeitig eine Power-Point-Präsentation mit allen wichtigen Infos verschickt, so dass anhand der Vorlagen Fragen und Anregungen möglich waren sowie über wichtige Punkte abgestimmt werden konnte.

Derzeit zählt der Verein 3125 Mitglieder, die von sechs Mitarbeitern in der Verwaltung und 171 Übungsleiter und Trainer betreut werden. Erfreulich bezeichnete Kramer, dass der Sportbetrieb, wenn auch in reduzierter Form, wieder aufgenommen werden konnte. Seit Mitte Mai sind unter den vorgegebenen Corona-Auflagen die Abteilungen Leichtathletik, Tennis und Crossathletik im Training. „Auch die Bogenschützen konnten Dank Gottfried Jais sen. wieder starten. Er hat ihnen ein neues Trainingsgeländer zur Verfügung gestellt“, betonte Kramer.  Des Weiteren in den Startlöchern stehen die Handballer im Außenbereich, sowie die TSV-Kindersport-Schule „Kiss“ (1. Juni).  Generell aber dürfen ab dem 8. Juni im Outdoor 20 Personen trainieren. In der Halle wiederum komme es auf kontaktlose Sportarten oder Sportarten mit viel Kontakt an. „Auf dem Weg hin und zurück müssen aber Masken getragen und Mindestabstände eingehalten werden. Das ist zum einen für die Vorsorge wichtig, aber auch deshalb, weil wir kontrolliert werden“, mahnt Kramer.

Der langjährige Präsident, der von den Delegierten erneut für dieses Amt vorgeschlagen und auch einstimmig  gewählt wurde, lüftete zudem das Geheimnis um den neuen Namen für das Sportstadion. Wie berichtet, hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich der Namensübertragung an den TSV zugestimmt. Als neuer Sponsor für die Sportler konnte laut Kramer das Kieswerk Jais gewonnen werden. In Punkto Finanzen gab es für 2019 einen kleinen Überschuss. Einnahmen von rund 987000 Euro stehen Ausgaben in Höhe von 912000 Euro gegenüber. Für das laufende Geschäftsjahr sehe es allerdings nicht so positiv aus, kündigte Finanzchef Franz Janker an. Er rechnet mit einem Minus von rund 55000 Euro, wobei noch nicht feststehe, welche finanziellen Auswirkungen Corona tatsächlich auf den Haushalt 2020 habe.

Bei den Neuwahlen wurden weiter Harald Schwab als Vize von Präsident Peter Kramer, Franz Janker als Finanzchef sowie Veronika Lillmann als Schriftführerin gewählt. Pressereferent wurde Florian Bayer, die technische Leitung obliegt weiterhin Roland Zeidler. Beisitzer sind Hans-Peter Rott, Matthias Vilsmayer sowie Stefan Schwartling. Uli Singer

 

GRÜNE GEGEN SPONSORING FÜR TSV GILCHING

Peter Kramer ...

versteht die Motivation der Grünen nicht mehr

Gilching – Es wären nicht die Grünen, würden sie nicht schon bei der ersten regulären Rats-Sitzung am Dienstag 26. Mai einen Antrag stellen, der beim TSV Gilching nur für Kopfschütteln sorgt. Um das Sponsoring für die Fußballer zu verhindern, appellierten sie an das Ratsgremium, die beantragte Vergabe des Namensrechts an den TSV abzulehnen.

Wie berichtet, wurden beim TSV Gilching explizit in der Fußballabteilung schon vor der Corona-Pandemie die Gelder knapp. Unter anderem bereitete der Aufstieg in die Landesliga nicht nur Freude, sondern auch ein Mehr an Kosten. Retter in der Not war die Gilchinger Firma Audeering, die dem Verein 20000 Euro sponserte. Einzige Auflage: Das Sportstadion an der Talhofstraße soll für die laufende Saison in „Audeering-Arena“ umbenannt werden. „Das Jahr ist nun um und es gab wegen der Namensnennung keinerlei Komplikationen“, betont TSV-Präsident Peter Kramer. Deshalb wurde seitens des TSV nun Antrag gestellt, die Übertragung der Namensrechte, die bei der Kommune liegen, bis zum Jahre 2024 zu verlängern. „Wir brauchen dringender denn je einen Sponsor, weil Corona unsere finanzielle Lage noch erheblich verschlechtert hat“, sagt Kramer. Es gebe bereits potentielle Sponsoren mit Bezug zu Gilching und die sofort auch einspringen würden. „Vorausgesetzt, dem Antrag auf Verlängerung der Übertragung der Namensrechte wird zugestimmt“, sagt Kramer.  Entschieden dagegen äußerte sich nun der Grünen-Ortsverband. „Die geplante Verlängerung der Vergabe der Namensrechte… bedeutet die weitere Kommerzialisierung des Gilchinger Sports, die wir nicht für erstrebenswert halten“, schreibt Peter Unger. Im Gegenzug schlägt er vor, das Sportstadion generell in „Lieselotte „Lilo“ Fürst-Ramdohr“ umzubenennen und somit eines Mitglieds des Freundeskreises der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ zu gedenken. „Ich verstehe die Grünen nicht mehr“, sagt Kramer. „Es mag ja toll und auch mutig sein, was diese Dame geleistet hat. Aber es hat halt gar nichts mit dem Sport zu tun.“ Er appelliert nun wiederum an das Ratsgremium, dem Antrag des TSV zuzustimmen. Die Sitzung Uli Singer     

 

JÜNGSTE GEMEINDERÄTIN SITZT IN GILCHING

Selina Rieger bei der Abiturvorbereitung

Gilching – Wird Selina Rieger in der nächsten Ratssitzung in Gilching vereidigt, ist sie mit ihren gerade mal 18 Jahren die jüngste Gemeinderätin im Landkreis Starnberg. Die Gymnasiastin rückt innerhalb der SPD-Fraktion für Matthias Hellwig nach. Wie berichtet, hat der Kinobetreiber sein Mandat mit der Begründung abgelehnt, dass er sich in Zeiten von Corona um den Erhalt seines Kino-Imperiums kümmern müsse.

Derzeit hat sie viel Stress, steht doch das Abitur auf dem Plan, sagt Selina Rieger. „Ich stecke mitten drin in den Vorbereitungen. Am 20. Mai beginnen die Abiturprüfungen und enden erst zwei Wochen nach Pfingsten.“ Ab Dienstag, 26. Mai, wird sie zudem als frisch gebackene Gemeinderätin erste Erfahrungen sammeln. „Ich war ja schon überrascht, dass mich die Wähler von Platz zehn auf Platz acht vorgewählt haben. Dass ich jetzt auch noch anstelle von Matthias Hellweg antreten darf, freut mich sehr. Gleichzeitig ist es auch eine gewaltige Herausforderung, weil mein Vorgänger eine große Lücke hinterlässt.“ Herausforderungen jedoch liebt die 18Jährige. „Ich bin als Sandwich-Kind zwischen zwei Brüdern aufgewachsen. Da habe ich gelernt, mich durchzusetzen und zu verteidigen“, erzählt sie. Und lässt es die Zeit zu, geht sie mit dem 20Jährige Luca und dem 13Jährigen Janis Fußball spielen auf der angrenzenden Wiese. Generell aber engagiert sich Selina seit Jahren im Jugendbeirat, gibt Flötenunterricht für Grundschüler, „derzeit online, was meinen Schülern sehr viel Spaß macht, weil sie mich auch einfach wegklicken können“, und hat auch sonst viele Ideen, was im Bereich Jugendarbeit mehr noch getan werden kann. Als Glück bezeichnet Selina, dass mit der neuen Jugendreferentin im Ratsgremium, der 19Jährigen Sophie Hüttemann (SPD), ein weiteres Mitglied des Jugendbeirat am Tisch sitzt. „Wir sind beide sozial engagiert und helfen, wo wir helfen können“, freut sich Selina Rieger auf die Zusammenarbeit. Zudem stelle die Alters-Mischung ihrer Fraktion, „jung und Alt an einem Tisch“, für sie eine reizvolle Kombination dar. „Ich bin allgemein ein Familienmensch und in einer Großfamilie aufgewachsen. Da habe ich auch keine Probleme, mit Menschen jeden Alters gut auszukommen“, verspricht sie und meint: „Jetzt schaung ma moi, was auf mich zukommt. Ich freu mich drauf.“ Uli Singer

SEPP FEIGL STARB IM ALTER VON 46 JAHREN

Sepp Feigl war immer gut gelaunt

Erling – Sepp Feigl ist tot. Der Erlinger Automechaniker, dessen Herz schon von Jugend an für seine Heimat, die Blasmusik sowie die Freiwillige Feuerwehr Erling-Andechs schlug, starb für alle überraschend im Alter von 46 Jahren. Lediglich wegen einer bereits abgeschwächten Influenza war er zu Hause geblieben. Am Küchentisch sitzend wurde er gefunden, grad so, als hätte er beim Frühstücken ein kleines Nickerchen eingelegt. Als der Sepp am 24. März 1973 zur Welt kam, gaben ihm seine Eltern den Namen Josef. Gemunkelt wird, dass dies mit einem gewissen Weitblick geschehen ist. Ist es doch Tradition, dass im Kloster Andechs am Josefitag für alle Josefs und Josefinnen eine Maß Freibier ausgeschenkt wird. „Auf unseren Sepp war immer Verlass“, sagt Andechs Bürgermeister Georg Scheitz. Viele Jahre lang Vorsitzender des Feuerwehr-Vereins wusste er das Engagement des Verstorbenen zu schätzen. Eine Bereicherung für die Kommune sei es auch gewesen, als Sepp Feigl 2018 beruflich zum heimischen Bauhof wechselte und sehr schnell zum stellvertretenden Bauhofleiter avancierte. „Das sagt schon sehr viel“, betont Scheitz. „Er war nicht nur sehr fleißig, es gab auch nix, was er nicht anpackte. Besonderen Spaß aber hat es ihm gemacht, die großen Fahrzeuge, insbesondere aber den Schneepflug, zu fahren.“

Gestorben ist Josef Feigl übrigens am Josefitag, dem 19. März. Und weil da schon die Corona-Pandemie die Regie übernommen hatte, gab es weder eine große Beerdigung, die er verdient hätte, noch das traditionelle Freibier im Kloster. Bei der Trauerfeier in der Friedenskapelle im Ortsteil Erling aber lief ihm zu Ehren der Egerländer-Marsch von Ernst Mosch. Uli Singer

 

MICHI STURM LÖST MICHI MUTHER AB

Michael Sturm

Weßling – Es war zwar eine Entscheidung in letzter Minute. Doch nachdem Vor- wie Nachteile gut abgewogen wurden, entschied sich Michael Sturm von den Freien Wähler letztendlich dafür, als letzter Bewerber um das Bürgermeisteramt in Weßling auf das Kandidaten-Karussell mit aufzuspringen. Der Erfolg gab dem Inhaber von „qinno“, ein Unternehmen das sich auf elektronische Systeme für die Medizintechnik, Luftfahrt und Industrie spezialisierte, Recht. In der Stichwahl gewann der 53Jährige Familienvater gegen Andreas Lechermann von der CSU klar mit 66 zu 34 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 76 Prozent.

Seit 1. Mai ist der langjährige Gemeinderat und Vize seines Vorgängers nun offiziell als neuer Rathauschef  im Amt. Er löste damit Namensvetter und Parteikollegen Michael Muther ab, der insgesamt 32 Jahre im Rathaus Weßling seine Spuren legte. Von 1988 bis 2008 war Muther Kämmerer unter Hans-Thomas Mörtl (CSU) sowie Monika Meyer-Brühl (SPD). 2008 bewarb er sich dann um das Bürgermeisteramt und gewann gegen Meyer-Brühl in der Stichwahl. „Ja, ich werde zwar einiges anders machen“, sagte Michael Sturm im Interview mit dem Amper-Kurier. Doch auf die langjährigen Erfahrungen von Muther soll nicht ganz verzichtet werden. „Er wird auch künftig noch in bestimmten Bereichen mitarbeiten. Das ist von Vorteil für uns alle.“

Auf der Agenda des neuen Gemeinderats teht unter anderem der Haushalt für 2020. „Wir haben leider noch keinen, weil in den letzten Monaten zu viel dazwischenkam. Doch jetzt ist es fast ein Vorteil, weil wir nicht, wie viele anderen Gemeinden, einen Nachtragshaushalt machen müssen, sondern die Auswirkungen der Corona-Pandemie bereits berücksichtigen können. Waren ursprünglich mal 7,2 Millionen an Investitionen geplant, werde man aktuell nur noch mit fünf Millionen Euro rechnen können, sagt Sturm. Und wie geht es mit „qinno“ weiter, nachdem der Chef des Unternehmens nun Bürgermeister einer 5600 Einwohner zählenden geworden ist? „Kein Problem. Meine gut eingearbeiteten Mitarbeiter, zwei davon haben die Prokura, führen die Geschäfte eigenständig in meinem Sinne weiter. Sollten wichtige Fragen besprochen werden, habe ich mir vom Gemeinderat 6,5 Stunden Nebentätigkeit genehmigen lassen“, betont Sturm. Zu Sturms Stellvertretern wurden Petra Slawisch sowie Sebastian Grünwald (beide gehören der Grünen-Fraktion an) gewählt.

 

MEHR AUGENMERK AUF SOZIALE THEMEN)

Andechs - Durch die Einsetzung eines Sozialbeirats sollen künftig in der Gemeinde Andechs die Bürger zu Wort kommen, die sich insbesondere um soziale Themen stark machen. "Es war mir schon immer eine Herzensangelegenheit, mich um die Schwächeren in der Gemeinde Sorgen zu machen und auch zu schauen, wo man helfen kann", sagt Andechs neuer Bürgermeister Georg Scheitz (CSU). Im Beirat vertreten sein sollen unter anderem Menschen aus den Bereichen Behinderten- und Seniorenarbeit, aus Jugendkreisen, aus der Pflege aber auch aus dem Helferkreis Asyl. "Wichtig ist, dass wir uns regelmäßig im Rathaus treffen, über die Sorgen und Probleme der jeweiligen Menschen sprechen und gemeinsam versuchen, Lösungen zu finden", betont Scheitz. Des Weiteren werden den Vertretern der einzelnen Gruppierungen Rederecht im Gemeinderat eingeräumt. Scheitz Antrag fand Gefallen und wurde am Dienstag in der ersten Sitzung des neuen Gemeinderats einstimmig angenommen. Uli Singer

 

Stehen für das Projekt...

Annette Reindel (von links), Andreas Wening, Graffiti-Künstler "Loomit" (oben sitzend) sowie Manfred Gercke vom Verein Zeitreise

VIA ZEITREISE ENTLANG DER ALTEN RÖMERSTRASSE

Gilching – Durch den Bau der Westumgehung in Gilching wurde nicht nur eine Entlastung des innerörtlichen Verkehrs geschaffen. Zudem fanden Archäologen weitere Hinweise auf die Anwesenheit römischer Siedler. Aktuell entstehen an der Unterführung Römerstraße durch die aufwändige Darstellung wissenschaftlich abgesegneter historischer Szenen Einblicke in die Entwicklungsgeschichte der Region.

Wie berichtet, waren die vorsorglich angestellten Untersuchungen des Erdreichs beim Bau der neuen Umfahrung von Gilching, insbesondere im Bereich Römerstraße, eine wahre Fundgrube für Archäologen. Neben zahlreichen Gräbern und Knochenfunden waren es Grabbeigaben, die weitere Einblicke in die Zeit unserer Vorfahren gaben. Zur Freude des Vereins Zeitreise, der seit vielen Jahren auf Spurensuche ist. Allen voran Annette Reindel, die nicht lockerließ, bis Gilching ein eigenes Museum bekam. Im so genannten Werson-Haus an der Bruckerstraße finden seither unter dem Überbegriff „Schicht-Werk“ Ausstellungen zur Geschichte der Gemeinde statt. Insbesondere im Fokus aber stehen Radwanderwege unter dem Motto „Via Zeitreise“, die aktuell um ein künstlerisches Highlight an der Unterführung Römerstraße ergänzt werden. Bei der Via Julia handelt es sich um einen überregionaler Fernradwanderweg, der von Günzburg über Gilching bis nach Salzburg führt. Für die künstlerische Umsetzung der Street-Art in 12 Stationen auf rund 65 Quadratmetern stehen die Künstler „Loomit“ (Mathias Köhler) sowie der Gilchinger Melander Holzapfel (Lando) und seine „Funky Fresh Graffiti Agentur“.

„Mit der Planung des Projekts haben wir vor gut einem Jahr begonnen“, sagt Museumsleiterin und Zeitreise-Vorsitzende Annette Reindel. Wäre Corona nicht dazwischengekommen, wäre man schon etwas weiter. Ursprünglich nämlich war die Eröffnung im Beisein vieler Gäste für 16. Mai vorgesehen. Doch daraus wird nun nichts. Zumal außer der künstlerischen Umsetzung wissenschaftlich nachvollziehbarer Szenen aus dem Gemeindegebiet eine aufwändige Dokumentation in Arbeit ist. Die einzelnen Zeitabschnitte werden laut Reindel jeweils durch kurze Hörbeispiele, sie entstehen aktuell im Tonstudio Kübrich, sowie Infotafeln erweitert und vertieft. „Unser Projekt Zeitreise-Tunnel steht exemplarisch für Epochen, die an jedem anderen Ort in unserem Voralpenraum entlang der Römerstraße stattgefunden haben können. Deshalb hat es auch überregionale Bedeutung.“ Die Kosten für die Umsetzung gibt Reindel mit rund 12000 Euro an. Gefördert wird das Projekt durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, durch die Kulturförderung des Landkreises Starnberg, dem staatlichen Bauamt Weilheim sowie durch die Gemeinde Gilching. „Ohne aber die vielen Stunden, die Mitglieder ehrenamtlich leisten, wäre das Projekt gar nicht möglich geworden“, betont Reindel. Begleitet wird es außerdem durch Andreas Wening, der die jeweiligen Arbeitsschritte fotografisch sowie auf Video-Clips festhält und sie auf Facebook unter „Zeitreise Gilching“ zur Verfügung stellt. Für Spaziergänger und Radfahrer sind die überdimensionalen Szenen, unter anderem „Kilti“, der auf einem Pferd dargestellt ist und dessen Gebeine im Museum aufbewahrt werden, bereits jetzt schon zu sehen. „Wir glauben, dass dieses Projekt, das frei zugänglich ist, die Unterführung in diesem Bereich aufwertet und einen weiteren verständlichen und optisch ansprechenden Einblick in die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte unserer Region vermitteln kann“, ist Reindel überzeugt. Wer die Arbeit des Vereins Zeitreise finanziell unterstützen will, das Spendenkonto bei der Kreissparkasse lautet DE29 7025 0150 0010 4444 87. Uli Singer



TROTZ CORONA GUTE STIMMUNG IM SENIORENZENTRUM

Thomas Bonato

Gilching – „Wir machen aus der Not das Beste. Durch Corona und durch die auferlegte Kontaktsperre sollen unsere Bewohner nicht mehr leiden müssen, als unbedingt notwendig“, sagt Thomas Bonato. Seit Eröffnung vor drei Jahren leitet der 48Jährige das Seniorenzentrum Pichlmayr an der Weßlinger Straße in Gilching. Und was sich anfangs als schwierig gestaltete, hat er mittlerweile super in den Griff bekommen. „Wir sind voll belegt. Das wurde ermöglicht, weil wir sehr schnell gutes Personal fanden und heute keinen Mangel mehr an Pflegekräften sowie sozialen Betreuern haben“, freut sich Bonato. Ganz im Gegenteil, müssten inzwischen Bewerber abgewiesen beziehungsweise an andere Einrichtungen weiterempfohlen werden. „Unsere Mitarbeiter sind auch unser Erfolg. Sie bewerben sich meist über Mundpropaganda und kommen vorwiegend aus Gilching oder aus der Region.“ Insgesamt stehen 54 Voll- und Teilzeitkräfte inklusive sieben Auszubildende für die 72 Bewohner zur Verfügung. Und alle seien bemüht, den Menschen über die aktuell schwierige Zeit zu helfen und den Wegfall von Besuchen durch Angehörige durch extra Zuwendungen zu kompensieren. „Wenn plötzlich gewohnte Kontakte wegfallen, kommt es oft zu Depressionen, die dann nur schwer wieder in Griff zu bekommen sind. Deshalb gibt es bei uns viele Einzelgespräche aber auch Gesprächsrunden, die bei einem Gläschen Sekt für gute Stimmung sorgen. Zudem wurden in den jeweiligen Stockwerken Frauen- und Männerstammtische eingerichtet“, erklärt Bonato. „Auch das generelle Besuchsverbot haben wir durch einen einfachen Trick ausgehebelt. Da kommt uns natürlich das durchgehend schöne Wetter zugute.“ Ermöglicht werde Besuchern, sich am Hausgarten der Einrichtung mit ihren Angehörigen zu treffen. „Selbstverständlich haben wir eine Abstandsperre von zwei Metern eingerichtet. Aber die Menschen können sich sehen und auch miteinander sprechen“, betont Bonato. Damit innerhalb des Hauses im Falle einer Ansteckung durch das Virus zudem schnell gehandelt werden kann, gehen die Bewohner stockweise an unterschiedlichen Zeiten in den Garten oder je nach Absprache mit den Angehörigen. „Gott sei Dank hatten wir bisher noch keine Ansteckung und auch noch keinen Todesfall. Traurig finde ich, dass in vielen Pflege- und Altenheimen die Angehörigen gar nicht oder nur begrenzt zu ihren sterbenden Verwandten dürfen. Wäre dies hier der Fall, würden wir alles in Bewegung setzen und auch die Schutzmaßnahmen so aufstocken, damit Angehörige so lange bleiben können, wie sie wollen und die Sterbenden bis zuletzt begleiten können.“ Mitmenschlichkeit stehe an oberster Stelle, sagt Bonato. Deshalb freue er sich auch über die zahlreiche Anteilnahme der Bevölkerung, die sich immer wieder etwas einfallen ließen, um den Bewohnern die Zeit hier lebendig zu gestalten. „Vor wenigen Tagen kam zum Beispiel ein langer Brief eines zehnjährigen Gymnasiasten aus Gilching, der ihn bunt ausmalte, viel von sich erzählte und den Bewohnern eine schöne Zeit wünschte. Diese Briefe werden dann vorgelesen, wo dann schon mal das eine oder andere Tränchen über die Wange kullert.“ Und nicht zuletzt: „Wir haben jetzt endlich gegenüber unseres Hauses eine Bushaltestelle des X 900 bekommen“, freut sich Bonato. Lange habe er dafür gekämpft. „Jetzt haben sowohl unsere Mitarbeiter wie auch Besucher die Möglichkeit, ohne große Umstände anzureisen." Uli Singer

 

Null Corona-Frust haben von links...

Zirkusdirektor Artur Kaiser sowie die beiden Grafitti-Künstler Mathias Köhler und Melander Holzapfel

Bunte Aktion gegen den Corona-Frust

Gilching – Irgendwie gehört der Zirkus „King“ der Familie Kaiser auf einer Wiese an der Frühlingsstraße mittlerweile zum Gilchinger Ortsbild. Wie berichtet, mussten Mitte März wegen Corona noch vor Start des Gastspiels sämtliche Vorstellungen ersatzlos gestrichen werden. Seither fehlen Einnahmen, um unter anderem Futter für die Tiere zu kaufen. Ja, wären da nicht die vielen Menschen in Gilching und aus der Region, die seither kräftig dazu beitragen, dass die Zirkusfamilie samt Tieren überleben kann. Außer Geld wurden bisher ausreichend Heu, Salzsteine, Gemüse, Obst, Hobelspäne und für die drei Kinder Süßigkeiten und vieles mehr gespendet. „Wir sind so dankbar dafür und hoffen, dass wir uns schon bald mit einer Sondervorstellung revanchieren können“, sagte Zirkusdirektor Artur Kaiser. Für Überraschung sorgten zudem die Graffiti-Künstler Melander Holzapfel, Künstlername „Lando“, aus Gilching und Mathias Köhler, genannt „Loomit“, aus München. Sie boten an, die in die Jahre gekommenen Zirkuswägen aufzuhübschen. Unter dem Motto „Bunte Aktion gegen den Corona-Frust“ bemalten sie am Mittwoch die Flächen mit Zirkusrelevanten Motiven. Beide Künstler können sich die Benefiz-Aktion leisten. „Wir sind mit Arbeit ausgelastet und verdienen gut“, betonte Holzapfel.

Der gelernte Einzelhandelskaufmann gründete 1987 eine Werbeagentur, spezialisierte sich auf Graffitidesign, gründete 1999 die erste Graffiti-Agentur und arbeitet seither viel und gerne mit „Loomit“, alias Mathias Köhler, zusammen. Der 52Jährige erlangte Berühmtheit, weil er anno 1985 mit weiteren Mitstreitern den Geltendorfer Zug komplett besprühte. Die Folge war ein Gerichtsverfahren sowie der Start einer Bilderbuchkarriere. Unter anderem wurde „Loomit“ für seine außergewöhnlichen Werke der Schwabinger Kunstpreis verliehen. „Loomit war schon immer mein großes Vorbild. Mich freut, dass ich heute mit ihm zusammenarbeiten darf“, sagt Holzapfel. Unter Vorsitz des Gilchingers wurde 2018 außerdem der Verein zur „Förderung urbaner Kunst“ gegründet, Loomit gehört mit zur Vorstandschaft, der sich die Förderung sozialer Projekte auf die Fahne geschrieben hat. Dazu gehört auch die Verschönerung von Zirkuswägen. Ein Beispiel professioneller Graffiti-Kunst ist ab sofort auf der Wiese an der Frühlingsstraße zu sehen. Von den Wägen herab grüßen jeweils ein gespraytes Kamel, ein Bison, ein Watusi-Rind, ein Esel sowie ein bunter Clown. Für Kaiser und seine Familie, aber auch für die vielen Zaungäste sowie die leibhaftigen Zirkustiere, die in gebührendem Abstand den Künstlern über die Schulter schauten, ein einmaliges Erlebnis. Uli Singer

ASPHALTIERUNG DES FELDWEGES VOM TISCH

Auf Anregung von Heinrich Lenker (FW)

... soll jetzt der illegale Autoverkehr bei den Radwegunterführungen an der Westumgehung durch schwenkbare Schranken gestoppt werden.

Gilching  – Die Versiegelung der verlängerten Melchior-Fanger-Straße in Gilching ist erst einmal vom Tisch. Dem diesbezüglichen Bürgerantrag wurde am Montag bei einer Gegenstimme zugestimmt. Lediglich Martin Pilgram von den Grünen, er hatte Antrag auf die bauliche Aufwertung des Feldweges insbesondere zur Nutzung für Radfahrer gestellt, votierte dafür, die rund 80000 Euro teure Teerung ungeachtet des finanziellen Dilemmas, in dem sich die Kommunen zwecks der Corona-Krise befinden, sofort zu beschließen. In der Sitzung am Montag informierte Bürgermeister Manfred Walter, dass nach Eingang des Bürgerantrages, den auf Initiative von Dr. Helmut Pabst 385 Bürger unterschrieben hatten und der in der Februarsitzung des Gemeinderates für zulässig erklärt wurde, diverse Gespräche stattgefunden haben. Unter anderem darüber, wie nach einer eventuellen Asphaltierung der Strecke sichergestellt werden könne, dass diese nicht von Autofahrern als Schleichweg ins Gewerbegebiet Süd beziehungsweise auf die Staatsstraße 2069 missbraucht werde.

Schwenkbare Schranken als Schutz
„Wir haben in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten eine praktikable Lösung erarbeitet“, sagte Walter. Bezug nahm der Rathauschef auf ein Strategiepapier des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), der unter anderem schwenkbare Schranken gegen den motorisierten Individualverkehr empfiehlt. Doch Corona hat weiteren Beschlüssen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie berichtet, werden auch in Gilching bereits beschlossene Projekte auf den Prüfstand gestellt. Unter anderem wegen unsicherer Gewerbeeinnahmen beziehungsweise wegen bereits eingegangener Anträge auf Stundung der zu erwartenden Gewerbesteuer. „Alles, was nicht unabdingbar notwendig ist, müssen wir jetzt verschieben“, bedauerte Walter. Gerechtfertigt sei deshalb auch der Aufschub des Ausbaus des Feldweges (Melchior-Fanger-Straße). „Nach jetzigem Stand können wir frühestens im Jahr 2022 wieder an solche Dinge denken“, sagte Walter.

Lenker schlägt Schranken für bestehende Radwege vor
Zum Umut von Martin Pilgram. Er mahnte erneut, dass es in Punkto Ausbau des Feldweges mehrere irreführende Berichte gegeben hätte und von einer illegalen Nutzung desselben durch Autofahrer keineswegs die Rede sein könne. Im Übrigen machte er darauf aufmerksam, dass etliche Radwege, insbesondere unter der neuen Westumfahrung hindurch, ungerechtfertigter Weise von Autofahrern genutzt würden. Da schritt Heinrich Lenker (Freie Wähler) ein. Er machte darauf aufmerksam, dass die mobilen Schranken als Schutz vor illegaler Nutzung bisher mit der Begründung „verboten“ abgelehnt wurden. „Plötzlich sind sie möglich? Deshalb sollten wir baldmöglichst die Radwegverbindungen unter der Westumgehung damit absichern“, regte Lenker an.  Offene Ohren bei Manfred Walter. „Hier handelt es sich tatsächlich um eine sicherheitsrechtliche Variante, die ich sogar wegen der geringen Kosten als Bürgermeister ohne Beschluss anordnen kann.“ Was nun auch geschehen soll.

 

Gilchings älteste Bürgerin ist verstorben

Hella Müting an ihrem 106ten Geburtstag

Gilching – Gilchings älteste Bürgerin ist tot. Hella Müting starb in der Nacht von Sonntag auf Ostermontag im Alter von 107 Jahren. „Es war nicht unerwartet in diesem Alter. Sie musste auch nicht leiden und schlief friedlich ein. Schlimm war nur, eine Genehmigung für einen letzten Besuch zu bekommen. Es war sehr mühsam“, erzählt Gerhard Müting. Der 64Jährige Sohn von Hella Müting sowie seine Schwester Hella Dietsche wollten von der Mama, die zuletzt im BRK-Seniorenheim in Gilching lebte, einfach nur in Würde Abschied nehmen. Ein Unterfangen, das angesichts der Corona-Auflagen unmöglich schien. „Nach langem Hin und Her bekam erst einmal nur meine Schwester die Genehmigung, unsere Mama für zwei Stunden zu besuchen. Weil wir nicht lockerließen, bekamen wir eine Sondergenehmigung, dass auch ich zu ihr durfte. Allerdings musste meine Schwester zugunsten meiner auf eine Stunde ihrer Besuchszeit verzichten. Zuletzt war nur noch ein Pfleger bei ihr.“ Weil ansonsten niemand aus der Verwandtschaft sowie auch keine Freunde Abschied nehmen durften, soll die Mama jetzt eine traditionell schöne Beerdigung bekommen, betont der Berliner Geschäftsmann. „Es wird eine Urnenbestattung sein. Wir verschieben sie, bis alles wieder normal läuft, damit auch viele Leute dabei sein können. Sie war überall sehr beliebt. Wann und wo dies sein wird, geben wir rechtzeitig bekannt.“

Als Hella Müting im September 1912 in Stettin (Hinterpommern) geboren wurde, regierte Kaiser Wilhelm  II. Die bis zuletzt rüstige Mutter von fünf Kindern meisterte ihr Leben trotz einiger Schicksalsschläge beispielhaft. Im Jahr 2009 übersiedelte sie auf Wunsch der Tochter, die in Wörthsee wohnt, von Helmstett ins Betreute Wohnen nach Gilching. Dort wurde sie im Alter von 103 Jahren für den Film entdeckt. Der Titel lautete: „Ü100“. Im Vorjahr stand Hella Müting zudem als 106Jährige Modell für ein fünf mal fünf Meter großes Poster, das am Münchner Lenbachplatz für eine Ausstellung zum hundertsten Geburtstag des Frauenwahlrechts warb. „Ja, sie war nicht nur unser Vorbild, sondern auch Vorbild für viele andere Menschen“, bestätigte Gerhard Müting. Die Verstorbene hinterlässt vier Kinder, 12 Enkel und sieben Urenkel. Uli Singer

 

Vera Pein mit Pflegetocher Dinah (16) ...

freuten sich über die Klorollen-Zugabe, die ihr Stefan Gömöri zur Pizza-Sammelbestellung drauf legte.

TOILETTENPAPIER ALS WERBEGAG

Seefeld – Wie in Corona-Zeiten überleben, ohne gegen Auflagen zu verstoßen? Ein Problem, das Pizzabäcker Stefan Gömöri aus dem Seefelder Ortsteil Oberalting mit vielen Berufskollegen teilt. Doch der gebürtige Tscheche kam da auf eine Idee. „Ich überlegte mir, was ist derzeit Mangelware und über was würden sich die Menschen freuen? Toilettenpapier war die Lösung.“ Seither bekommt jeder Kunde nicht nur die bestellte Pizza in die Hand gedrückt, sondern auch eine Rolle hübsch verpacktes Klopapier.

Vor 15 Jahren kam Stefan Gömöri nach Seefeld, um in der Pizzeria Sportivo bei den TSV-Anlagen am Jahnweg als Pizzabäcker anzufangen. „Ich lebte in der Tschechoslowakei und suchte Arbeit. Über Freunde habe ich erfahren, dass hier jemand gesucht wird.“ Nach der Probezeit wurde Gömöri fest angestellt. Als dann 2013 der TSV Oberalting, zu dem das Sportivo gehört, einen neuen Pächter suchte, bewarb er sich und bekam den Zuschlag. Das Geschäft lief gut und die Zukunft des 39Jährigen Familienvaters schien ungetrübt. Doch da kam Corona.  „Ich war mitten in den Umbauarbeiten. Insbesondere der Außenbereich soll attraktiver werden und einen Spielplatz bekommen. Da mussten wir das Stüberl schließen beziehungsweise durch Einhaltung einer strengen Abstandsregelung auf Abholservice umstellen. Erst dachte ich ja, das kann nicht funktionieren. Doch es kam anders.“ Als der Run auf Klopapier einsetzte und dieses zur Mangelware erklärt wurde, warb Gömöri dafür, dass jeder, der eine Bestellung aufgibt, auch eine Rolle dieser vorgeblich wertvollen Zugabe erhält. „Ich hatte stapelweise Toilettenpapier auf Lager. Weil ich aber keine Gäste mehr bewirten darf und deshalb auch die sanitären Anlagen geschlossen sind, brauchte ich auch kein Toilettenpapier mehr. Außerdem war es kein Problem, bei meinem Lieferanten entsprechend nachzubestellen.“

Doch nicht nur die gerollte Zugabe sorgt für gute Geschäfte. Es sind auch viele Gäste, die dem Wirt die Treue halten. Sowohl Mitglieder des Fußballvereins sowie die Tennisspieler vom angrenzenden Tennisplatz kommen trotz Spielpause regelmäßig, um sich Pizzen, Salate und Pasta für die ganze Familie zu holen. Zudem haben sie versprochen, erzählt der Pizzabäcker, so lange das Virus den Alltag einschränkt, sich mindestens einmal pro Woche Essen zu holen. Weshalb Gömöri aktuell auch keinen Ruhetag einlegt. Öffnungszeiten sind derzeit von Montag bis Freitag von 17 bis 23 Uhr, am Samstag von 16 bis 23 Uhr und am Sonntag von 16 bis 21.30 Uhr. Vorherige Bestellung unter Telefon 08152-78276 wird empfohlen. Uli Singer

APPELL ZUR LOCKERUNG DER ÖFFNUNGSZEITEN

Gilching – Dass durch die Verbreitung des Corona-Virus etliche Einschränkungen hingenommen werden müssen, sei nachvollziehbar, sagt Manfred Herz. Doch nicht immer seien die Auflagen logisch. Sowohl der Gewerbereferent der Gemeinde Gilching wie auch der Gemeinderat der Freien Wähler, Matthias Vilsmayer, wandten sich jetzt an die Bayerische Staatsregierung.

„Für uns alle ist die jetzige Situation neu, weshalb auch Fehler gemacht werden dürfen. Sobald aber feststeht, dass eine Auflage keinen Sinn macht, im Gegenteil sogar Existenzen vernichtet, sollte nachgebessert werden“, sagt Manfred Herz. Eine krasse Wettbewerbsverzerrung finde unter anderem in den Bereichen Gärtnereien, Spielzeugläden sowie Baumärkte statt. Am Beispiel Gilching zählt Herz auf, dass es einen einzigen Spielzeugladen gibt, der schließen musste. „Gleichzeitig aber gibt es drei Drogeriemärkte, die unter anderem eine gut sortierte Spielzeugabteilung haben. Dort befinden sich im Laden weit mehr Menschen, als es beim Spielzeugladen der Fall wäre. Warum kann dieser nicht mit der Auflage, nur zwei bis drei Kunden einzulassen, öffnen?“ Gleiches gelte für die drei Baumärkte im Landkreis, je ein Hobbyland in Herrsching und Gilching sowie ein Hagebau in Starnberg. „Bis auf Bayern, Sachsen und Niedersachsen dürfen Baumärkte in ganz Deutschland geöffnet haben. Gerade jetzt wäre es wichtig, dass Menschen, die möglichst zu Hause bleiben sollen, einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen. Um ihre Wohnung oder Möbel neu zu streichen, brauchen sie Farbe. Aber auch Werkzeuge für die Gartenarbeiten oder neue Gartenmöbel wären derzeit Produkte, die im Baumarkt gesucht  würden.“ Was Herz ärgert, ist insbesondere, dass in den Lebensmitteln-Discountern dies alles angeboten, extrem beworben  und auch verkauft werden darf. „Dabei können die großen Läden zwar darauf achten, dass die Abstandsregeln an der Kasse eingehalten werden, wie es aber zwischen der Verkaufs-Regale aussieht, steht auf einem anderen Blatt. Dabei wäre in den kleineren Geschäften eine weit bessere Kontrolle möglich.“ Herz hat sich mittlerweile an die Starnberger CSU-Landtagsabgeordnete Ute Eilig-Hüting mit dem Auftrag gewandt, die Klagen der heimischen Wirtschaft an Ministerpräsident Markus Söder weiterzugeben und zu versuchen, eine Lockerung zu erreichen. Mit gleichem Ansinnen wandte sich Matthias Vilsmayer von den Freien Wählern an seinen Landtagsabgeordneten und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. In einem offenen Brief kritisiert der Gilchinger Gemeinderat ebenfalls die Ungleichbehandlung. Als Schildbürgerstreich werte er unter anderem ein Einkaufserlebnis, dass ihm doch zu denken gab. „Ich war im Tulpenfeld an der Autobahn und durfte Tulpen als Schnittblumen kaufen. Eine Vielzahl von Topfpflanzen aber musste der Betreiber wegräumen, weil es sich um Gärtnereibedarf handelt und dieser nicht verkauft werden darf, weil Gärtnereien schließen mussten.“ Das verstehe noch einer, kritisiert Vilsmayer. „Unweit in Supermärkten und Großmärkten nämlich dürfen Topfpflanzen jeglicher Art und unbegrenzt verkauft werden.“ Vilsmayers dringender Appell an Aiwanger lautet nun: „Es gibt eine Reihe weiterer Beispiele. Bitte bringt endlich mehr Klarheit in die Regelungen und lockert baldmöglichst die Öffnungszeiten für Gewerbetreibende, die unter der Wettbewerbsverzerrung um ihre Existenz bangen müssen. Bürger wie Gewerbetreibenden sind mündig genug und auch sensibilisiert, die Regeln einzuhalten“. Uli Singer



 

Auf Entdeckungstour in Australien

Von links: Chloe, Lauren mit Koala, Jasmyn sowie Elena

Gilching – Er wahre Odyssee hat Elena Vilsmayer aus Gilching hinter sich. Als der Corona-Virus die Welt veränderte, befand sich die 15Jährige Gymnasiastin zum Schüleraustausch in Australien. Ein Zurückkommen schien erst einmal aussichtslos.

Auf die Idee, für ein paar Wochen die australische Kultur und das dortige Schulsystem kennen zu lernen, kam Elena Vilsmayer anlässlich eines Besuches in Spanien. Dort nahm ihre 17Jährige Schwester Antonia an einem Schüleraustauch teil. „Bei meinem Besuch in Spanien hatte ich Lauren aus Australien kennen gelernt und mich sofort mit ihr angefreundet“, erzählt Elena. Als dann die 15Jährige Australierin sie und ihre Familie in Gilching besuchte, entstand die Idee zum Gegenbesuch. „Meine Eltern waren damit einverstanden, aber ich musste alles selbst organisieren“, sagt Elena nicht ohne Stolz.  Was im Rahmen eines Schüleraustausches gar nicht so einfach war, wollte sie doch unbedingt nach Brisbane im australischen Queensland zur Familie von Lauren. „Schön langsam ist alles ins Rollen gekommen. Auch die Schule dort war mit meinem Gastbesuch einverstanden.“ Ende Januar ging es los. In Brisbane angekommen, fühlte sich die 15Jährige sofort gut aufgenommen, Heimweh Fehlanzeige. „Ich kam auch in der Schule gut mit, weil ich relativ gut englisch spreche. Deshalb bekam ich für den Gastbesuch auch ein super Zeugnis.“ Eigentlich sollte der Aufenthalt bis Mitte April dauern. Doch Corona machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. „Jeder versuchte plötzlich, so schnell wie möglich zurück nach Deutschland zu kommen. Es waren insgesamt etwa 40000 Menschen, die in Panik gerieten, weil es in Australien hieß, dass bis zum 14. Juni die Flughäfen geschlossen bleiben“, erinnert sich Elena an eine nervenaufreibende Wartezeit. „Ich wusste zwar, dass ich irgendwie zurückkomme, doch nicht wann und nicht wie. Zwei Wochen lang lebte ich aus dem Koffer, während meine Eltern von Deutschland aus versuchten, einen Flug zu bekommen.“

Eine Zeit zwischen Hoffen, Bangen und Enttäuschung durchlebten derweilen die Eltern Matthias Vilsmayer und Stefanie Hirsch. „Wir mussten X-Mal um- und neu buchen, um dann zu erfahren, dass die Flüge doch nicht stattfinden. Letztendlich ergatterten wir ein viertes Flugticket bei Quatar Airways. Das waren die einzigen, die noch flogen“, berichtet Matthias Vilsmayer.  Inwieweit von den insgesamt rund 3000 Euro für nicht eingelöste Tickets zurückerstattet werden, stehe in den Sternen. „Aber es ist egal, wir sind froh, dass wir unsere Elena am Montag wohlbehalten am Flughafen abholen konnten.“

Und wie sieht die 15Jährige rückblickend diese wohl einmalige Erfahrung? „Also, ich glaube, ich habe mich weniger aufgeregt, als meine Eltern. Ich hatte in Brisbane eine super liebe Gastfamilie, bei der ich notfalls bis September hätte bleiben dürfen“, betont sie. Zumal in Australien Corona weit weniger verbreitet sei, wie auf dem Rest der Welt. „Deshalb musste ich hier auch nicht in eine extra Quarantäne.“ Eins allerdings stimmt Elena traurig. „Als ich in Australien war, konnte ich mit meinen Freunden in Gilching nur über Internet kommunizieren. Jetzt bin ich zurück, und darf sie wieder nicht persönlich sehen, sondern muss weiterhin aufs Internet zurückgreifen.“ Uli Singer       

 

Pfarrer Franz von Lüninck bei...

seinem ersten, virtuellen Gottesdienst - Foto: St. Sebastian

VIRTUELLE KIRCHE ZU ZEITEN CORONA

Gilching – „Können die Gläubigen nicht zu mir in die Kirche kommen, komme ich einfach zu ihnen ins Haus“, dachte sich Gilchings Pfarrer Franz von Lüninck und startete einen eigenen Youtube-Kanal. Der Erfolg gibt ihm Recht. Über 900 Besucher verfolgten bisher seinen ersten virtuellen Gottesdienst.

Als die Idee entstand, in Zeiten von Corona zu den Menschen per Live-Stream ins Haus zu kommen, waren noch erste Zweifel da. „Live Übertragungen von Gottesdiensten gibt es ja schon, auch in der Region. Mein Team überzeugte mich aber, es einfach zu versuchen, weil es ja etwas anderes ist, wenn der vertraute Pfarrer zu den Gläubigen spricht“, erzählt Franz von Lüninck von St. Sebastian in Gilching. Ein erster nicht öffentlicher Versuch, über Youtube live gehört zu werden, scheiterte. „Ich hatte noch sehr wenig Ahnung von der Technik. Da holte ich meinen 12Jährigen Neffen Georg aus Wörthsee zu Hilfe. Für den war es kein Problem, mir diesen Kanal einzurichten und mir auch das technische Knowhow beizubringen. Der hat mich richtig auf Trab gebracht“, freut sich der 53Jährige Seelsorger. Am vergangenen Sonntag war es dann soweit. Start war in der idyllisch gelegenen Kapelle Mariä Heimsuchung in Geisenbrunn. Sie fasst normalerweise um die 40 Besucher. Anwesend waren außer dem Geistlichen lediglich noch der neue Organist Roberto Seidel sowie in gebührendem Abstand stehend vier Mitarbeiter der Pfarrei. „Da stand ich nun vor dem Altar und blickte in einen leeren Kirchenraum. Es war eigenartig, doch als ich zu predigen anfing und in die Kamera blickte hatte ich plötzlich das Gefühl, bei den Menschen anzukommen. Ich spürte förmlich, dass sie mir zuhörten.“ Thema der Lesung war „Lazarus steh auf“.

Einer, der den Gottesdienst von zu Hause aus verfolgte, war IT-Experte Matthias Vilsmayer. „Ich dachte ich seh‘ nicht Recht. Es waren beim ersten Mal bis zum Schluss fast 200 Menschen online, die der Predigt live zuhörten.“ Vilsmayer ließ es sich auch nicht nehmen, dem Team von St. Sebastian über Facebook sofort ein Feedback zu geben. „Ich gratuliere zu diesem schönen und gut besuchten Gottesdienst. So viele Leute hätten in der Kirche gar keinen Platz bekommen.“ Der 49Jährige Gemeinderat (FW) regte zudem an, weiterzumachen und zu versuchen, mehr Menschen in Gilching die Möglichkeit einzurichten, daran teilzunehmen. „Es gibt ja viele Mitbürger, die nicht mehr so mobil sind, um in die Kirche zu gehen. Das wäre eine gute Chance, mehr noch für unsere Gemeinde zu tun.“  

Begeistert vom Feedback war auch Franz von Lüninck. Bis gestern besuchten immerhin rund 900 Besucher seinen ersten virtuellen Gottesdienst. „Der Zuspruch nach der Übertragung war erstaunlich. Noch nie habe ich, seit ich Pfarrer bin, so ein Echo nach einem Gottesdienst bekommen.“ Vorerst werde er selbstverständlich weiter machen, sagt der gebürtige Gautinger. Am kommenden Palmsonntag, 5. April, ist er ab zehn Uhr online. „Wir wissen noch nicht, von welcher Kirche aus wir senden. Aber das spielt ja hier keine Rolle.“ Weitere Übertragungen sind für Gründonnerstag sowie Karfreitag und in der Osternacht vorgesehen. Die Anfangszeiten werden rechtzeitig auf dem Youtube-Kanal unter St. Sebastian Gilching angezeigt. Uli Singer

Bauprojekt kommt erneut in den Gemeinderat

Gilching – Mit dem negativ verabschiedeten Billigungsbeschluss des Gilchinger Bauausschusses in Punkto Bebauungsplan Hochstift-Freisig-Weg zeigte sich FDP-Gemeinderat Willi Boneberger nicht einverstanden. Er hat mit Unterstützung weiterer sieben Ratsmitglieder Antrag auf Überprüfung gestellt.

Wie berichtet, wurde in der jüngsten Bauausschusssitzung der Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan für ein Areal am Hochstift-Freising- Weg/Karolingerstraße durch eine Patt-Abstimmung (3:3) abgelehnt. Unter anderem waren die zwölf Meter Höhe des geplanten viergeschossigen Gebäudes anstelle des Getränkemarktes Anlass für die Ablehnung. Diese Bauform entsprach exakt den Vorstellungen des Bauherrn und war in der Novembersitzung des Gemeinderats auch mit knapper Mehrheit unter acht Alternativen favorisiert worden. Bürgermeister Manfred Walter (SPD) sowie die seine SPD-Fraktion waren in der Bauausschusssitzung anderer Meinung. „Wenn wir das heute genehmigen, wirkt sich dies auf die künftige Bebauung aus“, betonte er. Eva Hackstein wusste zudem von etlichen Nachbarn, „die Kritik anmeldeten, weil sie den Bauriegel für zu massiv halten“ (wir berichteten). Da sich zudem CSU-Rat Paul Vogl während der Bauausschusssitzung kurz vor Abstimmung des umstrittenen Vorhabens verabschiedete, blieben nur noch drei Befürworter, die drei Gegnern des Projekts gegenüberstanden. Weshalb es zur Patt-Situation und zur Ablehnung kam. Für Willi Boneberger (FDP) entspricht dies nicht dem Demokratieverständnis, dass ein „geschrumpfter Bauausschuss“ den Willen des Gemeinderats aushebeln kann. Er stellte deshalb Antrag auf Nachprüfung durch das Ratsgremium. „Ja, diese Möglichkeit gibt es. Der Antrag muss innerhalb einer Woche nach Beschluss eingereicht und von sechs Räten unterschrieben werden“, erklärte Walter auf Anfrage. Da ausreichend Unterschriften vorhanden sind, werde der Antrag nun in der nächsten Ratssitzung am 31. März behandelt. „Es ist schade, weil nun das Vorhaben wieder auf die lange Bank geschoben wird. Wäre der Überprüfungs-Antrag nicht eingegangen, hätten wir uns sofort mit dem Bauherrn zusammensetzen und nach einer für alle verträgliche Lösung suchen können“, betonte Walter. Die zwölf Meter Höhe an dieser Stelle seien keinesfalls städtebaulich vertretbar. „Unser Rathaus als höchstes Gebäude am Hochstift-Freising-Weg hat um die neun Meter Höhe. Daran sollte man sich bestenfalls orientieren.“ Unter anderem unterschrieb auch Rosemarie Brosig (BfG) den Antrag auf Überprüfung. „Wir brauchen Wohnraum, deshalb ist es wichtig, in die Höhe zu bauen. Wohin auch sonst, nachdem bebaubare Grundstücke rar geworden sind“, erklärt sie auf Anfrage. Brosig schlägt zudem vor, bei Bauvorhaben mit den jeweiligen Bauherren städtebaulich zu vereinbaren, damit auch der soziale Aspekt berücksichtigt werde. „Wir brauchen beispielsweise dringend Wohnraum für betreutes Wohnen. Alte Menschen sind oft bereit, ihr einst großen Wohnungen oder Häuser jungen Familien zu überlassen, bekommen sie bezahlbare Alternativen. Dies ist aber Aufgabe der Gemeinde, bevor großzügig Baurecht, wie beispielsweise am Hochstift-Freising-Weg, vergeben wird, zu verhandeln, dass ein bis zwei Wohnungen dem sozialen Wohnungsbau zur Verfügung gestellt werden. Wir haben keine Wohnungsnot, wir wohnen nur falsch.“ Uli Singer

 

IM KONSENS SOLL EINE LÖSUNG GEFUNDEN WERDEN

Dr. Helmut Pabst übergibt...

an Bürgermeister Manfred Walter 385 Unterschriften pro Erhalt des Feldweges

Gilching – Auf offene Ohren stieß Dr. Helmut Pabst bei Gilchings Bürgermeister Manfred Walter bei der Übergabe von 385 Unterschriften pro Erhalt der verlängerten Melchior-Fanger-Straße als Feldweg. Zwar ist die Asphaltierung nicht vom Tisch, doch sollen Schikanen dafür sorgen, den Autoverkehr abzuhalten.

Wie berichtet, stellte die Grünen-Fraktion Antrag, den Weg zwischen Argelsrieder Straße und Gewerbegebiet Süd „winterfest auszubauen“. Dem Antrag stimmte der Haupt- und Bauausschusssitzung inklusive des Grünen-Vertreters Peter Unger zu, obwohl Bauamtsleiter Max Huber davor warnte, dass als Verbesserung nur eine Asphaltierung des bereits gut befestigten Feldweges in Frage kommt und dass dies Anreiz für Autofahrer werden könnte, die Straße durch die Waldkolonie hindurch als Schleichweg zu nutzen. „Der Verkehr in unserer Siedlung ist jetzt schon unerträglich. Es gibt hier fast keine Gehwege. Außerdem wird die Melchior-Fanger-Straße von vielen Schulkindern genutzt“, kritisierte der ehemalige CSU-Gemeinderat Helmut Pabst und organisierte eine Unterschriftenaktion pro Erhalt des Feldweges. „385 Bürger haben unterschrieben. Es kamen auch einige vorbei, die für den Ausbau waren“, erklärte er bei der Übergabe der Unterschriften im Rathaus. Pabst stellte zudem einen Bürger-Antrag, den beschlossenen Ausbau ad acta zu legen. Dass der Ausbau des Feldweges durchaus auch seitens der Gewerbetreibenden gewünscht sei, räumte Walter ein. „Der Druck kommt aus dieser Richtung, damit die Mitarbeiter im Anzug per Fahrrad über einen gut ausgebauten Weg zum Arbeitsplatz fahren könnten. Das haben die Grünen aufgenommen und deshalb Antrag gestellt.“ Als Schutz vor einem nicht gewünschten Verkehrsaufkommen regte der Rathauschef gestern an, über eine Verengung gleich Anfangs des Feldweges nachzudenken, so dass weder Fuhrwerke noch Autos durchfahren können. „Es gibt auch keine aktiven Landwirte mehr in der Waldkolonie, sondern nur noch auf der anderen Seite. Diese können ihre Felder über die Ost-Erschließung erreichen.“ Nun soll der Bürgerantrag auf seine Rechtmäßigkeit geprüft und dem Gremium in der nächsten Haupt- und Bauausschusssitzung vorgelegt werden. „Danach sollten wir uns zusammen mit einem Fachmann an einen Tisch setzen, um praktikable Lösungen zu erörtern. Wenn vorne kein Durchkommen mehr für Autos ist, hat sich das Problem erledigt“, betonte Walter. „Damit bin ich einverstanden“, erklärte Pabst und ging zufrieden seiner Wege. Uli Singer

 

EDITH STENZEL FEIERTE 100sten GEBURTSTAG

Gratulierten Edith Stenzel zum 100sten Geburtstag.

Bürgermeister Manfred Walter (stehend, von links), Georg Stenzel, Günter Drewnitzki, Klaus Stenzel, Irma Drewnitzki sowie Roxana Rudi vom BRK-Seniorenhaus

Gilching – „Sie ist ab sofort unsere jüngste über Hundertjährige“ stellte Gilchings Bürgermeister Manfred Walter anlässlich der Geburtstagsfeier für Edith Stenzel fest. Seit drei Jahren Bewohnerin des Rot-Kreuz-Seniorenhauses wurde dort auch das Fest ausgerichtet. Höhepunkt war der Auftritt des Seniorenchores.

Als Edith Stenzel anno 1955 mit Ehemann Adolf von Neuaubing nach Gilching umgezogen war, wurde sie auch schon in den Dienst der evangelischen Kirche genommen. Für Haussammlungen war sie unterwegs. Und in dieser Eigenschaft hat sie auch Katharina Funke, die Namensgeberin des Gilchinger Mutter-Kind-Hauses, kennen gelernt. An ihrem hundertsten Geburtstag, den sie am Donnerstag im Kreise ihrer drei Kinder Klaus (67), Georg (74) und Irma Drewinitzki (72) sowie deren Ehemann Günter, Pfarrer Rainer Hess, Bürgermeister Manfred Walter und Mitarbeiter und Bewohner des Hauses feierte, erinnerte sie sich noch gut an die Wohltäterin, mit deren Tochter Elisabeth Funke sie damals befreundet war. Edith Stenzel war es auch, die eins der wenigen Fotos von Katharina Funke schoss. Zum Fotografieren war die ehemalige Krankenschwester durch ihren Ehemann gekommen. „Ihn habe ich im Lazarett kennen gelernt. Ich war ja eigentlich Kindergartenschwester. Weil es damals aber so viele verwundete Soldaten gab, wurde ich Krankenschwester“, erzählte sie auf ihrer Geburtstagsfeier. Als sie dann nach Neuaubing zogen, fing Adolf Stenzel, vor 26 Jahren verstorben, als Fotograf bei der Filmproduktion der Gebrüder Diehl in Gräfelfing an. Die Diehls gelten als die Väter der berühmten Mecki-Figuren und der aufwändig gemachten ersten Trickfilme. Für damalige Zeiten eine fotografische Meisterleistung, wofür sich Edith Stenzel schon in jungen Jahren interessierte und sie deshalb auch mit dem Fotografieren begann. Statt Fotoapparat nimmt die Jubilarin heute täglich den Starnberger Merkur zur Hand. „Sie liest sehr gerne, auch Bücher. Allerdings muss die Schrift etwas größer sein, weil es ansonsten sehr anstrengend ist“, betont Sohn Georg. Und Singen macht ihr Spaß, war sie doch früher mal im Kirchenchor engagiert. Weshlab sie auch begeistert mitsang, als während einer Kaffeepause der Seniorenchor die Stimmgabel erhob. Uli Singer

KLINIK DR. SCHINDLBECK

FUSION SEEFELD MIT HERRSCHING

Herrsching – Der Deal ist perfekt. Anlässlich der Jahresversammlung des Freundeskreises Krankenhaus Seefeld in Herrsching eröffnete Landrat Karl Roth, dass der Kaufvertrag für die Privatklinik Dr. Schindlbeck bis auf wenige Formalitäten unter Dach und Fach ist. Zum 1. Januar geht das Haus am See in die Liegenschaften des Landkreises über.

Aufbruchstimmung herrschte am Mittwoch im Andechser Hof in Herrsching. Wie berichtet, war der Kauf der Schindlbeck-Klinik, derzeit noch in Besitz des amerikanischen Konzerns Myriad Genetics, seit Anfang des Jahres geplant, musste jedoch mit strategischen Schachzügen über die Bühne gebracht werden. „Es waren viele Sitzungen notwendig. Oft saßen wir mit bis zu sechs Anwälten zusammen. Jetzt aber sind wir auf der Zielgeraden. Die Schere liegt bereit, um am 1. Januar das Band zu durchschneiden“, eröffnete Landrat Karl Roth. Eigentümer wird aus formalen Gründen der Landkreis sein, sagte Roth. „Durch den Ankauf gibt es künftig eine enge Zusammenarbeit zwischen Seefeld und Herrsching. Dadurch konnte die Klinik in Seefeld gerettet. Wir werden sie auch noch über viele Jahren brauchen.“ Die Mitglieder des Kreistages hatten das Vorhaben bereits im Mai mit großer Mehrheit befürwortetet. Als einzigen Wehmutstropfen in der Sache bezeichnete Dr. Thomas Weiler, Geschäftsführer der Starnberger Kliniken Holding, unter dessen Dach künftig beide Kliniken fungieren, dass bereits eine Viertel Million Euro in die Umplanung des alten Gebäudes in Seefeld geflossen ist. „Das ist nun obsolet und auch nicht mehr realisierbar. Die Lösung aber, die sich jetzt anbietet, ist um ein Vielfaches besser. Es ist ein großer Glücksfall, dass mit dem Kauf der Herrschinger Klinik einen großen Knoten gelöst werden konnte.“ Nun gehe es an eine optimale Zusammenarbeit beider Kliniken mit insgesamt 212 Betten und zehn Fachabteilungen. „Wir überlegen ab sofort, wie wir weiter verfahren. Außerdem sind mit dem Freistaat Bayern baldmöglichst Gespräche geplant, da wir auf die staatlichen Zuschüsse angewiesen sind“, betonte Weiler.

Zufrieden mit der Entwicklung zeigte sich Dr. Markus Wagner, Chefarzt der Chirurgischen Klinik Seefeld. „In Zeiten des Kliniksterbens haben Dr. Weiler und Landrat Karl Roth sehr weitsichtig gehandelt und rechtzeitig die richtigen Schritte eingeleitet. Unsere ärztliche Mannschaft steht voll hinter der Zusammenlegung.“ Im Übrigen eröffnete er, dass sein Team 2019 eine Schallmauer durchbrochen habe, indem erstmals über 3000 Operationen durchgeführt wurden. An den Freundeskreis, dessen Vorsitzender Herrschings Bürgermeister Christian Schiller ist, richtete er einen dringenden Appell. „Sie werden in Zukunft als Multiplikator und Unterstützer unserer Klinik eine noch größere Rolle spielen als bisher. Bitte, machen sie Werbung für uns und überzeugen sie Freunde und Bekannte, Mitglied im Freundeskreis zu werden.“ Derzeit zählt der Verein 171 Mitglieder, sagte Schiller. Als Bürgermeister begrüße er ebenfalls die Zusammenlegung. „So können die Standorte gesichert werden. Durch die Fusion sind unsere Kliniken jetzt unter einem großen Zelt optimaler ärztlicher Versorgung vereint.“ Des Weiteren gebe es nur Gutes über beide Krankenhäuser zu berichten. „Ich höre immer wieder, dass man dort nicht nur eine Nummer ist, sondern als Mensch behandelt wird. Das ist das schönste Lob, dass man hören kann.“ Uli Singer             

MAIBAUM ZIEHT UM

Die Tage an der Monti-Schule sind gezählt...

Ab 2021 steht der Maibaum an der St. Vitus-Kirche

Gilching – „Ja, wo stellen wir denn künftig unseren Maibaum auf?“ Vor dieser Frage stand der Brauchtumsverein in Gilching. In der Ratssitzung am Dienstag erklärte Bürgermeister Manfred Walter: „Der aktuelle Maibaumstandort im Altdorf kann mittelfristig nicht mehr genutzt werden, da der Grundstückseigentümer die Fläche anderweitig nutzen möchte. Der nächste Maibaum wird im Jahr 2021 aufgestellt. Um alle baulichen Anlagen hierzu rechtzeitig im Jahr 2020 durchführen zu können ist es notwendig, zeitnah die Entscheidung für einen neuen Standort zu treffen.“ Geprüft wurden in Kooperation mit dem Verein neun Flächen, die in gemeindlicher oder kirchlicher Obhut stehen. In die engere Wahl kam der Platz vor der St. Vitus-Kirche im Altdorf beziehungsweise der Marktplatz im Zentrum der Gemeinde. Da es bei Abstimmung zwischen diesen beiden Alternativen eine Patt-Situation gab, überließen die Mitglieder des Vereins die Entscheidung dem Gemeinderat. Wobei jeder Standort Vor- und Nachteile habe, sagte Walter. „Der Maibaum im Altdorf hat Tradition. Außerdem ist er zwischen der Kirche und dem Wirtshaus gut aufgehoben. Für das Ortszentrum wiederum spricht, dass sich der Marktplatz mittlerweile als Ort vieler Festivitäten etabliert hat. Mein Favorit aber bleibt das Altdorf.“ Dem schloss sich das Gremium an. Kritik gab es seitens Martin Pilgram (Grüne) lediglich zwecks der 50000 Euro im Haushalt, die für die Bereitstellung des neuen Standorts veranschlagt worden waren. „Das kommt mir sehr hoch vor“, mahnte er. Dass zwecks der Standfestigkeit und des seit Jahren vorgeschriebenen Sicherheitsstandards das Tiefbauamt erhebliche bauliche Vorrichtungen schaffen müsse, entkräftete Walter den Vorwurf. Das Vorhaben wurde einstimmig abgesegnet.

 

SELBSTBEDIENUNGSLADEN VHS?

Dr. Michael Rappenglück...

Geschäftsführer der Vhs Gilching übernimmt nun auch die Aufgabe als hauptamtlicher Vorstand der Vhs

Gilching – Im Rahmen der Haushaltsberatungen in Gilching monierte Thomas Reich (FW) am Montag den Zuschuss-Antrag der VHS-Gilching. Künftig soll die Kommune den Zuschuss um 45000 Euro auf 190000 Euro erhöhen. Einstimmig wurde beschlossen, dem nicht zuzustimmen und erst eine Stellungnahme der Vorstandschaft einzuholen.

„Es gibt keinen einzigen Verein in Gilching, der eine solch‘ hohe Steigerungsrate hat“, sagte Fraktionssprecher Thomas Reich. Auch die mitgelieferte Begründung sei nicht schlüssig. Unter anderem werden seitens der VHS Tarifsteigerungen verantwortlich gemacht. „An einer normalen Tarifsteigerung kann es alleine nicht liegen. Da muss es noch andere Gründe geben. Kann es sein, dass sich die Vhs eine neue Satzung gegeben hat und künftig die Vorstandschaft hauptamtlich angestellt wird?“, fragte Reich. Auch Martin Pilgram (Grüne) fehlte dafür jedes Verständnis. „Die Musikschule leistet seit Jahren gute Arbeit, spart aber, wo es nur geht. Die Vhs scheint tatsächlich das Geld mit vollen Händen auszugeben.“ Auch bei Berücksichtigung der Tarifsteigerungen „erschließt sich die Summe nicht“, betonte Matthias Hellwig (Spd). Margarethe Blunck (ödp) wiederum regte an, erst mal nachzufragen, für was mehr Geld benötigt wird und den Antrag dann erneut zu behandeln. „Ich verstehe nicht, dass hier ohne schlüssige Begründung so viel Geld gefordert wird. Die Familieninsel muss der Gemeinde gegenüber immer Rechenschaft ablegen, wenn sie mehr Zuschuss benötigt. Warum muss das die Vhs nicht.“ Dass die Vorstandschaft, die über 50 Jahre lang ehrenamtlich engagiert war, plötzlich ein Gehalt bekommen und dies die Kommune leisten soll, sei nicht nachvollziehbar, mahnte Reich. Er beantragte, für die Januar-Sitzung die Vorstandschaft einzuladen, um Rechenschaft abzugeben. Dem folgte das Gremium einstimmig.

Auf Nachfrage beim langjährigen Vorstand Oliver Kübrich räumte dieser gestern ein, dass mit Satzungsänderung, die vor zwei Wochen durch das Registergericht und durch das Finanzamt abgesegnet worden war, er nicht mehr Vorstand sei. Anstelle seiner ist nun Dr. Michael Rappenglück als hauptamtlicher Geschäftsführer sowie hauptamtlicher Vorstand in Personalunion getreten. Hauptamtliche Stellvertreterin des Vorstands sei Liane Appel. Dass Rappenglücks SPD-Fraktionskollege Christian Winkelmeier, wie ein Mitglied des Aufsichtsrates einräumte, ebenfalls einen bezahlten Midi-Job als rechte Hand des Geschäftsführers angetreten habe, wollte Kübrich so nicht bestätigen. „Es war etwas im Gespräch. Genaueres aber kann ich dazu nicht sagen. Ich bin raus.“ Rappenglück sowie Winkelmeier waren trotz mehrmaliger Versuche weder telefonisch noch über Mail erreichbar.  Uli Singer  

 

UM EIN HAAR BEI VOICE SENIOR MIT DABEI

Weßling – „Es war eine tolle Erfahrung und ich würde jederzeit wieder mitmachen“, sagt Claus Angerbauer. Die Rede ist von The Voice Senior, die bis Mitte Dezember sonntags über die Mattscheibe flimmert. Angerbauer nahm teil und kam bis in die Schlussrunde.

Es ist die zweite Staffel, die Menschen über 60 Jahren auf SAT.1 eine Chance gibt, gesanglich noch einmal groß heraus zu kommen. In der aktuellen Reihe begeisterte unter anderem eine 94Jährige Berlinerin das Publikum. Leider hat keiner der Juroren im Rahmen des Blind-Dates den Baser gedrückt. „Ein wenig Wehmut kommt schon auf, wenn ich jetzt zuschaue und mir vorstelle, dass ich eine gute Chance hatte, dabei zu sein“, sagt Angerbauer. Doch kurz vor Ziel fiel die Entscheidung gegen einen Live-Auftritt des gebürtigen Weßlingers aus. Immerhin hatte er bereits drei Vorrunden in München geschafft und war zur letzten Vorentscheidung nach Berlin eingeladen worden. Insgesamt, so schätzt Angerbauer, waren rund 600 Anmeldungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beim Sender eingegangen. „Das gesangliche Niveau war sehr hoch. Die meisten Sänger und Sängerinnen waren beruflich schon einmal erfolgreich, unter anderem als Musical-Darsteller, und versuchten nun eine Solokarriere. Für mich persönlich war es spannend, mal zu sehen, wie mein Gesang bei einer Fachjury ankommt.“ Im Landkreis ist Angerbauer, der im Alter von 35 Jahren erblindete, längst eine musikalische Größe. Als Sänger und Gitarrist in diversen Bands, unter anderem bei der Band „Doktor SchiWaGu“, die sich mittlerweile aufgelöst hat. Dort spielte auch Gilchings Bürgermeister Manfred Walter als Bassist mit. Er und dessen Ehefrau Judith Lemnitzer-Walter hatten die Idee, den 62Jährigen Bandkollegen bei The Voice Senior anzumelden. „Judith hat dann alles übernommen. Sie begleitete mich zu allen Castings und nahm sogar Urlaub, um mit nach Berlin zu fahren. Dass ich überhaupt so weit gekommen bin, darauf kann ich schon stolz sein“, sagt Angerbauer. Letztendlich landete er als Nachrücker zwischen Platz 30 und 35. In die Live-Shows kamen nur 24 der Teilnehmer. „Rückblickend kann ich sagen, dass das Team bei SAT 1 sehr professionell vorgeht und uns alle mit großem Respekt behandelt hat. Mich hat sogar einer der Coaches nach meinem Ausscheiden zuhause angerufen und gesagt, dass es ihm leidtut, dass ich nicht weitergekommen bin. Allgemein haben wir von den Profis sehr gute Tipps bekommen, die für mich sehr wertvoll sind.“ Ob er den Wink beherzigt, sich im nächsten Jahr noch einmal zu bewerben, lässt Angerbauer offen. „Es war über viele Monate sehr zeitaufwändig, aufregend aber auch anstrengend. Aber, man soll ja nie Nie sagen.“ Das große Finale von Voice Senior zeigt SAT.1 am Sonntag, 15. Dezember, 20.15 Uhr. Uli Singer



 

Gudrun Müller (5. von links obere Reihe) ...

und ihr Team

GILCHINGER TAFEL FEIERT GEBURTSTAG

Bürgermeister Manfred Walter...

bei der Scheckübergabe an Gudrun Müller

Gilching – „Gut, dass es die Tafel gibt. Schade, dass wir sie brauchen“, sagte Bürgermeister Manfred Walter anlässlich des 20Jährigen Bestehens der Gilching Tafel. Gefeiert wurde mit rund 100 Gästen im Rathaus-Saal. Darunter waren gleichermaßen Abholer, viele Kinder, Gemeinderäte und ehrenamtliche Mitarbeiter.

Start der Gilchinger Tafel war in einem Block an der Sonnenstraße. Initiatorin war seinerzeit Inge Schuster. „Wie ich aus Erzählungen weiß, waren die Räumlichkeiten sehr dürftig“, erzählte Gudrun Müller, seit 2003 federführend für die Einrichtung zuständig. Als dann der Block nach der Jahrtausendwende abgerissen wurde, hatte die Gemeinde die Idee, die Tafel in der so genannten Keck-Villa unterzubringen. Für Müller und ihre derzeit 28 ehrenamtlichen Mitstreiter ein Glücksfall, zumal nun feststeht, dass entgegen ursprünglicher Pläne das Gebäude nicht der Abrissbirne zum Opfer fallen wird. „Im Sommer sieht es bei uns aus, als wäre es ein Erholungsheim. Wir haben einen tollen Garten, in dem die Kinder spielen und sich die Erwachsenen während der Abholzeit unterhalten können“, schwärmte Müller. Sie räumte auch ein, dass die Versorgung von aktuell rund 60 Abholern, darunter viele Familien mit Kindern, nicht möglich wäre, gäbe es nicht die Geschäfte in Gilching, die Lebensmittel sowie Obst und Gemüse zur Verfügung stellten. Aber auch Privatpersonen, die durch finanzielle Unterstützung zum Erhalt beitragen. „Wenn wir sehen, dass Alleinstehende, Alleinerziehende, alte Menschen und Familien mit Kindern mit vollen Taschen nach Hause gehen können, macht uns das sehr glücklich. Es reicht zwar oft nicht für eine ganze Woche, aber ein Zubrot ist es allemal. Außerdem wird durch die Tafeln ein wichtiger Beitrag gegen die Verschwendung von Lebensmitteln geleistet. Eigentlich sollten alle Supermärkte verpflichtet werden, Kühlschränke und Regale mit den Waren aufzustellen, die heute üblich im Müll landen.“

Festredner war Bürgermeister Manfred Walter. Er nahm den Song „Money, Money, Money“, den der 12Jährige Niklas Volk auf dem Klavier als musikalischen Auftakt spielte, zum Anlass, generell auf die Werte-Verschiebung unserer Gesellschaft hinzuweisen. „Viele Menschen denken heute, ohne Geld geht nichts. Bei der Tafel ist das anders. Hier zählt das soziale Engagement“, bedankte er sich bei Müller und ihrem Team. Als Präsent überreichte er einen finanziellen Gutschein, der für die Sanierung der Küche mit hergenommen werden soll. Viele der Nutzer der Tafel, die am Fest teilnahmen, bedankten sich beim Tafel-Team mit Worten aber auch mit kleinen Geschenken. Beim kalten Buffett klang der Nachmittag, musikalisch umrahmt von der Musikschule Gilching, aus. Uli Singer

 

KUCHENFEE MIT SCHÖPFER AM WÖRTHSEE

VORLIEBE FÜR DICKE DAMEN

Im Rohzustand noch unbemalt...

die Kuchenfee

Wörthsee – Vom Kraftfahrzeugmechaniker über den Beruf eines erfolgreichen Golfshop-Managers hin zu einem Holzbildhauer mit eigenwilligen Ideen. Diesen gleichermaßen spannenden wie auch steinigen Weg schlug Werner Aigner ein. Demnächst will er zu einer Ausstellung in seinem Heimatort Wörthsee einladen.

Heute arbeitet und wohnt Werner Aigner zwar in Garmisch-Partenkirchen, doch „meine Heimat ist und bleibt Etterschlag“. Dort wohnt der 87Jährige Papa Franz Aigner sowie die Geschwister, die er regelmäßig besucht. Sein bisheriger Lebensweg war vielseitig. Erst erlernte er zwei Berufe, Kraftfahrzeug-Mechaniker und technischer Zeichner, dann eröffnete er in Herrsching ein Herrenausstatter-Geschäft um letztendlich bei Karstadt-Oberpollinger die Golf-Abteilung zu übernehmen. „Als ich angefangen habe waren es 50 Quadratmeter Verkaufsfläche. Als ich nach neun Jahren aufhörte, war die Abteilung auf 1200 Quadratmeter angewachsen“, erinnert sich Aigner. Die letzte Station seiner „Golf-Karriere“ war in Heidelberg. „Es war aber anscheinend nicht das, was ich wirklich wollte, obwohl mir der Beruf Spaß machte. Nachteil war, dass ich rund um die Uhr arbeitete. Ich wurde krank.“ Ein untrügliches Zeichen dafür, dass es im Leben noch etwas anderes geben muss. „Ich suchte mir Schwemmholz und bastelte ein bisschen herum. Schnitzen kann man das noch nicht nennen“, betont Aigner. Das Schicksal wollte es, dass sich auch Ehefrau Sigrid, mit der er seit 28 Jahren verheiratet ist, in Heidelberg nicht wohl fühlte. „Sie hatte unbeschreibliches Heimweh nach Garmisch, wo sie zuhause war. Deshalb zogen wir um, ohne dass ich da schon wusste, wohin mich die Reise führt“, sagt der heute 58Jährige.

Was aber liegt näher, als in der Heimat bekannter Holzschnitzer eine Schnitzschule zu besuchen? Zumal er bereits seine Liebe zur Natur und zum Holz entdeckt hatte. „Ja, mit der Schule hatte ich Pech. Ich war denen mit 54 Jahren zu alt und auch zu untalentiert. Bei 500 Bewerbern jährlich kann ich das gut nachvollziehen“, räumt Aigner ein. Doch er gab nicht auf und versuchte seinen eigenen Weg. „Meine Leidenschaft wuchs mit jedem Schritt, der endgültigen Figur näher zu kommen. Anfangs wusste ich nie, was am Ende herauskommt.“ Vom Birnbaum über Eibe, Esche, Linde, Wacholder bis zur Zirbel war die Rohstoffauswahl überaus vielseitig. Wobei die Form des Rohmaterials Einfluss auf die spätere Figur habe. „Ein Baumstamm mit Astgabeln entwickelt sich zum Beispiel zur Tänzerin“, erklärt Aigner. Handwerklich legt er zudem Wert darauf, dass Sägen nur wenig zum Einsatz kommen, dagegen Schnitzmesser und Schleifpapier Vorrang haben. Mittlerweile haben es ihm Damen mit gemütlichen Rundungen angetan. „Kuchenfee“ nennt er sie liebevoll. Fünf dicke Damen mit einem Stück Kuchen in der Hand hat er aus einem einzigen Baumstamm einer Linde gefertigt, pro Figur rund 60 Stunden daran gearbeitet. Eine dieser 40 Zentimeter hohen Lieblichkeiten steht nun im Haus der Schwester in Etterschlag, eine weitere ging bereits nach Gilching. „Mein nächstes Ziel ist eine Ausstellung in Wörthsee. Deshalb bin ich gerade auf der Suche nach einem Partner und nach geeigneten Räumen“, sagte Aigner. Kontakt mit ihm kann unter www.holzmanie.de aufgenommen werden. Uli Singer

 

ÜBERRASCHENDES ERGEBNIS

Stefan Frey (links) gratulierte...

Harald Schwab zum guten Ergebnis

Gilching – Die CSU in Gilching ist fest entschlossen, erstmals seit nunmehr 30 Jahren den Bürgermeister zu stellen. Als Kandidat wurde Harald Schwab ins Rennen geschickt. Von 32 anwesenden Mitgliedern erhielt er bei geheimer Wahl 30 Mal ein Ja. Lediglich eine Nein-Stimme und ein ungültiger Wahlzettel verhinderten die Einstimmigkeit.

Das gute Ergebnis überraschte selbst Harald Schwab. „Damit hatte ich ehrlich nicht gerechnet. Aber es freut mich natürlich, so ein klares Votum zu erhalten“, räumte der 56Jährige IT-Manager ein. Dabei entschied er sich erst vor wenigen Wochen für eine Kandidatur. „Wenn man eine Mehrheit im Gemeinderat erreichen will, braucht man gute und ausreichend Kandidaten. Wir hatten bereits vor sechs Jahren pausiert und keinen Bürgermeisterkandidaten gegen Manfred Walter aufgestellt. Jetzt wurde es Zeit, wieder mitzuspielen“, erklärte er am Dienstag unter Applaus im Oberen Wirt in Gilching. Im Übrigen mahnte Schwab: „Nach zwölf Jahren im Amt tut ein Wechsel gut. Die Kommune wächst und gehört mit zu den erfolgreichsten im Landkreis. Da braucht es neue Impulse und innerhalb der Verwaltung frischen Wind.“ Insbesondere liege ihm die Personalführung am Herzen, sagte er. „Im Rathaus arbeitet ein sehr gutes Team. Da ich aus der freien Wirtschaft komme, denke ich, unseren Mitarbeitern neue Anreize zu geben und zu versuchen, nach außen hin mehr Transparenz zuzulassen.“ Konkret möchte der Familienvater, langjährige Gemeinde-, Kreis- und Bezirksrat dem Bahnhofsgelände verstärkt Priorität einräumen. „Kommt man zum Bahnhof, fühlt man sich wie im Kalten Krieg im Ostblock. Der neue Kultur-Treffpunkt braucht dringend eine freundlichere Farbe. Außerdem muss zeitnah eine Lösung für das Verkehrsaufkommen gefunden werden. Es ist für Fußgänger, besonders für Menschen mit Handicap,  mittlerweile  lebensgefährlich, sich zwischen dem Bus- und Autoverkehr hindurch zu schlängeln.“ Unterstützung bekam Schwab durch Landratskandidat Stefan Frey. Er legte den CSU-Mitgliedern nahe, geschlossen hinter Schwab und den Gemeinderats-Kandidaten zu stehen. „Schwab ist ein Mann, der ausgleichend wirkt und nicht als Scharfmacher auftritt. Das wollen die Menschen und solche Leute braucht die Politik wieder.“

Für die Mitarbeit im Gemeinderat bewerben sich in Reihenfolge: Harald Schwab, Katharina Beiwinkler, Martin Fink, Claudia Hatteier, Manfred Herz, Paul Vogl, Hermann Högner, Roland Schrafstetter, Sigrun Broßardt, Stefan Mahlert, Uschi Wolfenstetter, Michael Jakob-Widmann, Michael Dosch, Gabi Beyer, Philipp Altmann, Thomas Beiwinkler, Karlheinz Gruber, Martin Stauber, Veronika Stummer, Fawaz El-Abboud, Bernhard Vornehm, Alfred Gesierich, Michael Bramberger und Taghi Pohl. Uli Singer

 

Starnberger Unternehmer ausgezeichnet

Gerd Zanker (links) und Manfred Herz

Starnberg - „Unternehmerpersönlichkeiten mit ihrem Mut und ihrer Tatkraft prägen unsere Gesellschaft, sind ein Pfeiler in unseren Kommunen und verdienen dafür große Anerkennung“. Mit diesen Worten eröffnet der Vorsitzende der CSU-Mittelstandsunion Manfred Herz, selbst Unternehmer aus Gilching, die Ehrung zum „Unternehmer des Jahres“ im Hotel La Villa am Starnberger See. Über 200 Gäste waren der Einladung gefolgt, als prominentester Politvertreter war Staatsminister a.D. Erwin Huber zu Gast. Ausgezeichnet wurde Gerd Zanker von der Firma Saegmüller in Starnberg.
„Inhabergeführte Unternehmen wie die Firma Saegmüller unter der Leitung von Gerd Zanker, stellen eine wesentliche Säule der Gesellschaft dar und bedeuten Stabilität, Kontinuität und Sicherheit für Mitarbeiter und Kommunen“, fügte Herz in seiner Laudatio an. Attraktive Unternehmen sind wichtig für Gewerbesteuereinnahmen, aber auch um qualifizierte und wohnortnahe Arbeitsplätze zu erhalten bzw. neu zu schaffen. Auch ist es wichtig, jungen Menschen die eine Ausbildung machen, eine gute und langfristige Jobperspektive in der Region zu bieten.

 

Optimale Standortbedingungen für heimische Firmen

Stefan Frey (links) und Manfred Herz

In seinem Grußwort bedankte sich Stefan Frey beim Gastgeber Herz mit den Worten: "Du bist Unternehmer aus Leidenschaft, aber auch Kommunalpolitiker mit Leidenschaft. Du bringst die Belange der Wirtschaft direkt an den Ratstisch. Wo findet man das heute noch?" In Punkto Jubilar merkte Frey an, dass es Gerd Zanker gelungen sei, "Tradition und Moderne, Heimatverbundenheit und Standorttreue sowie eine positive, zukunftsweisende Entwicklung miteinander zu verbinden". Frey wies darauf hin, dass nur da, wo Gewerbesteuer fließt, eine Gemeinde auch leistungsfähig ist. "Als Kommunalpolitiker stehen wir deshalb in der Verantwortung, heimischen Unternehmen weiterhin beste politische Rahmen- und Standortbedingungen zu bieten."
Gerd Zanker ist seit 1987 in der Firma Saegmüller, startete als Assistenz im Einkauf und arbeitete sich mit großem persönlichem Engagement in die Struktur des Unternehmens ein. 2003 übernahm er die alleinige Verantwortung für die Geschicke des Unternehmens. Im Jahre 2007 wurde Zanker Mitgesellschafter und 2011 alleiniger Inhaber der Firma Saegmüller GmbH. Der Starnberger Traditionsbetrieb betreut mit 120 Mitarbeitern viele Privat- und Gewerbekunden im Großraum München und stattet diese mit hochwertiger Elektro- und Sicherheitstechnik sowie individuellen Beleuchtungskonzepten aus. Vorzeigekunden wie der FC Bayern, die Allianz Arena, Pro7, SAT 1, Webasto und viele Top-Unternehmen gehören zum Kundenportfolio der Saegmüller GmbH. Günther Preiss/LeniLehmann

 

60 Mal Mama

Dinah (links) und David

freuen sich über den Erfolg des Erstlingswerkes ihrer Pflegemama Vera Pein. Im Laufe ihres Lebens hat sie rund 60 Pflegekinder betreut...

"Ich öffne mein Herz und bin da. Bin einfach nur da", sagt Vera Pein. Die Inninger Pflegemutter sagt niemals nein, wird ihr so ein hilfloses Bündel übergeben. Egal auch, ob das Haus gerade bis zum Dach bewohnt ist, ein Platz findet sich immer. Derzeit sind es vier Kinder zwischen drei und 14 Jahren plus zwei junge Menschen, die gerade versuchen, im Leben zurecht zu kommen. Der Doermer-Knaur-Verlag fand ihr Engagement großartig und bot der 63Jährigen an, ihre Erfahrungen aufzuschreiben. Auf rund 250 Seiten erzählt sie von den Schicksalen, die sie besonders berührten, und vom Glück, Kindern Flügel zu geben, damit sie alleine fliegen lernen. "Liebe und Vertrauen - das ist es, was Kinder brauchen, um zu wachsen", weiß sie.
Vera Peins "60 Mal Mama - Wie ich als Pflegemutter erkannte, was Kinderseelen brauchen" ist ab sofort zum Preis von 12,99 Euro im Buchhandel erhältlich.
Anfragen in Punkto Lesungen unter singer@singer-online.de

SPENDENAKTION VOLLER ERFOLG

Hilfsbereitschaft ist groß...



...erzählt Matthias Vilsmayer. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten organisieren Matthias Vilsmayer und sein Team aus Gilching unter der Schirmherrschaft des Vereins „Hoffnung für eine neue Generation“ einen Hilfstransport für bedürftige Menschen, vorrangig aber derzeit 25 Kindergärten mit rund 1200 Kindern, in Rumänien. „Wir versichern, dass jedes Paket direkt in den große Not leidenden Familien und in den Kindergärten verteilt wird", erklärt Vilsmayer. Er selbst hatte sich bereits vor Ort von den menschenunwürdigen Verhältnissen überzeugt. „Die Menschen leben in Verschlägen, die Kinder laufen meist barfuß, auch im Winter, weil Schuhe und warme Kleidung Mangelware sind. Gibt es einen Pullover im Haus, bekommt ihn derjenige übergezogen, der gerade am meisten friert.“ Über viele Jahre schon hatten seine Töchter Antonia, Elena und Emilia jeweils für ein Kind und für ein Jahr eine Patenschaft für je 20 Euro monatlich übernommen. Davon konnte je ein Kindergartenplatz finanziert und eine warme Mahlzeit pro Tag finanziert werden. „Dank der vielen Spenden, die auch dieses Mal wieder abgegeben wurden, bringen wir einen kleinen Hoffnungsschimmer nach Rumänien. Durch die Kleider- aber auch Lebensmittelspenden bedeutet dies für die Menschen oft für ein paar Stunden oder auch ein paar Tage ein kleine wenig Freude im ansonst tristen Alltag“, freut sichVilsmayer. Wer ein Päckchen beisteuern möchte, diese können noch heute, Freitag, 8. November, bis 16 Uhr, am Parkplatz an der Von- Linde-Straße 4 in Gilching abgegeben werden.   

Roland v. Rebay

„Wer lernt und nicht wiederholt, braucht eigentlich gar nicht zu lernen!“

Das Thema „Lernen“ nimmt in vielen Familien einen besonderen Stellenwert ein. Das weiß Jürgen Möller, Leiter der Akademie für Lernpädagogik aus Köln beim Vortrag „Lernen macht glücklich“ am Dienstag Abend im Pfarrstadl Weßling zu berichten. Veranstaltet wurde der Abend vom Förderverein der Grundschule Weßling.
Der selbsternannte Lernakivist, der als Lehrer an mehreren Schulen unterrichtet hat, stellte einleitend die Frage: „Wer wünscht sich, dass das Familienleben entspannter wird?“ Die Antwort des Publikums war einhellige Zustimmung. Weniger Druck und mehr positive Bestärkung sei der Weg konstatierte Möller: „Ich war ein mittelmäßiger Schüler und hatte wenig Spaß an der Schule. Meine Eltern wollten, dass ich mal erfolgreich werde und hatten entsprechend hohe Erwartungen an meine Noten“, erklärte der Vater zweier Töchter. Sein Vater gab ihm oft das Gefühl, ihn zu enttäuschen. Doch für Kinder sei es schlimm, wenn sie das Gefühl hätten, dass sie ihre Eltern enttäuschten.
Doch wie schafft man es, dass Lernen ohne Druck Spaß bereitet?
Ein Ziel des Vortrages war es, bei den anwesenden etwa 90 Zuhörern ein Grundverständnis für Lerntypen und Lernmethoden zu schaffen. Kinder lernten in einer entspannten und angenehmen Atmosphäre viel leichter, konnte man erfahren. Dabei helfen Lernstrategien wie z.B. die Strukturierung des Lernstoffs. Ganz zentral sieht Möller die Wichtigkeit der Wiederholung.
„Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück.“ Nach etwa einem halben Jahr sei Gelerntes ohne Wiederholung so gut wie vergessen. Wichtig sei es dabei, vor allem die sogenannten Basics (wie das Einmaleins, Vokabeln in Fremdsprachen und grammatische Regeln) regelmäßig zu wiederholen. Nicht sinnvoll sei in diesem Zusammenhang stundenlanges einmaliges Wiederholen vor einer Prüfung. Regelmäßiges Wiederholen in kleinen Einheiten, z.B. 10 Minuten, die als Ritual in den Tagesablauf eingebaut werden sollten, sei angebrachter.
Abschließend wurden verschiedene Lerntypen vorgestellt. Möller unterschied den logisch-abstrakten, den sicherheitsliebenden, den kreativ-chaotischen und den emotionalen Lerner. Jeder Schüler hätte Anteile jeden Typs in sich, doch grundsätzlich folge jedes Kind einem „Leittypus“, den es überwiegend verkörpere. Beachte man diese Disposition, könnten Lehrer und Eltern Kinder in all ihren Stärken und Schwächen gezielter unterstützen.
Heftige Zustimmung aus dem Publikum zeigte, dass viele Anwesende ihre Kinder bei der Beschreibung der Typen wiedererkannten.
Der Referent wünschte zum Ende des Vortrages allen Eltern eine Portion „heitere Gelassenheit“ beim Lernen mit ihren Kindern und erntete heftigen Applaus aus dem Publikum.
Abschließend bedankte sich Roland v. Rebay, Vorsitzender des Fördervereins und versicherte, dass der Verein bereits weitere spannende Vorträge für die Reihe „Wie stärke ich mein Kind“ geplant habe. Die künftige Zusammenarbeit mit der Akademie sein nur ein Baustein im Programm des Vereins.
AUTOR: ROLAND V. REBAY

 

Pöckinger Bühne steht auch Nachwuchs offen

Albert Luppart

Pöcking hat den lang ersehnten Kultursaal. Nun gilt es, ihn mit Leben zu füllen. Das Beccult bietet die Möglichkeit heimischen, auch noch unbekannten Künstlern, eine Bühne zu geben. Einmal im Monat steht mit dem „Pöckinger Kulturmontag“ das Beccult dazu zur Verfügung. Start ist am am Montag, 11. November, ab 20 Uhr im direkten Anschluss an eine Vernissage. Wir beginnen mit kleinen Ausschnitten aus den verschiedensten musikalischen Richtungen, vorgetragen von Pöckinger Künstlern und Musikgruppen. Begleitet von kritischen und humorigen Texten.
Mit dabei sind unter anderem:
• Das Akkordeonorchester Diskanto • Drei junge Geigerinnen und eine junge Cellistin • Brigitte und Frieder Lang, Alt und Tenor • Esther Schöpf und Norbert Groh, Geige und Klavier • Ein kleiner Teil der Chorgemeinschaft Pöcking • Die Würmsee Böhmischen Auf dem Programm stehen unter anderem Stücke von Piazzolla, Pachelbel, Mendelssohn, Beethoven, Schostakowitsch, sowie ein Konzertmarsch, die Paula Polka und Stücke aus dem Weißen Rössl.
Sollten Sie ebenfalls künstlerisch tätig sein und Ihr Können auf die Bühne bringen wollen, dann haben Sie an diesem Abend die Möglichkeit sich für einen Pöckinger Kulturmontag im Beccult anzumelden.
AUTOR: ALBERT LUPPART

 

GLEIS 8 GEHÖRT DER VERGANGENHEIT AN

Bürgermeister Manfred Walter übergibt...

den Schlüssel für das ehemalige Gleis 8 an Marcin Dybowski

neu - KULTCAFE SPECTACEL

Gilching – Die Übernahme des ehemaligen Gleis 8 in Gilching durch Marcin Dybowski ist besiegelt. Im Rathaus fand heute die Unterzeichnung des Pachtvertrages sowie die Schlüsselübergabe statt. Neu wird der Treffpunkt künftig „KultCafe Spectacel“ heißen.

„Wir befinden uns auf dem richtigen Gleis. Ich bin überzeugt, mit Marcin Dybowski haben wir nun einen Wirt, der dem historischen Bahnhof mit Sicherheit wieder Leben einhauchen wird“, schwärmte Bürgermeister Manfred Walter gestern bei der Vertragsunterzeichnung. Der 40Jährige gebürtige Pole hat längst bewiesen, dass er schafft, was er sich vornimmt. Zudem ist er kein Unbekannter und kann insbesondere in Gilching auf viele Stammgäste zählen. War er doch einst Chef des erfolgreichen KultCafes „Bauernbäck“ an der Weßlinger Straße. Als der Vertrag 2012 nach fünf Jahren auslief, ein Nachbar zudem wegen der musikalischen Veranstaltungen klagte, wechselte er in das ehemalige Vereinshaus des TSV nach Inning. Das „Inninger Spectacel“ und ein internationalen und erfolgreicher Musikclub war aus der Taufe gehoben. Auch wenn Dybowski ab 1. Februar das „KultCafe“ am Bahnhof eröffnet, „vorausgesetzt die Bauarbeiter sind bis dahin fertig“, wird er das Spectacel in Inning weiter betreiben. Eine Symbiose, die Früchte tragen wird, ist er überzeugt. Denn auch in Gilching soll die Kultur zentrales Thema sein. „Ich bin offen für alles“, verspricht Dybowski. Vorerst ist von Montag bis Freitag tagsüber geöffnet. Stehen Konzerte auf dem Programm, wird auch abends beziehungsweise am Wochenende Betrieb sein. „Wegen der genauen Zeiten kann ich jetzt noch nicht so viel sagen. Mal sehen, was der Bedarf hergibt.“ Derzeit wird die Bahnhofs-Gastronomie im Innenbereich von Grund auf neu ausgestattet. Außerdem übernimmt die Kommune ihren Part und hat bereits in Punkto Akustik planerisch nachgebessert. „Der Lärmpegel im Lokal war oft sehr störend. Deshalb werden gerade Maßnahmen eingebaut, die für eine angenehme Lautstärke sorgen“, betonte der Rathauschef. Da der neue Betreiber zudem passionierter Koch ist, wird die Speisenkarte für einige Überraschungen sorgen. „Bei mir wird es wie bei Mama sein. Jeden Tag gibt es etwas anderes. Da ich außerdem nach Lust und Laune koche und Zutaten hernehme, die die Saison hergibt, wird die Speisenkarte auch sehr abwechslungsreich sein.“

Wie berichtet, bietet die Gastronomie im Bahnhof im Innenbereich 40 Plätze. Zusätzlich wird es seitlich anstelle des Radlständers einen kleinen Wirtsgarten mit 30 Plätzen geben. „Also, ich bin sehr zuversichtlich, dass Gilching endlich den Treffpunkt bekommt, den es verdient und den sich die Bevölkerung auch immer gewünscht hat“, sagte der Rathauschef.

DIE FREUNDE AM SEE - JETZT AM PILSENSEE

Guido Meier und Monika Roming

Seefeld – Das fünfte Kinderbuch in Folge aus der Serie „Die Freunde vom See“ ist erschienen. Während Monika Roming ihre fünf Protagonisten bisher die Gegend rund um den Ammersee unsicher machen ließ, haben die zwei Nilpferde Nico und Marie sowie Sigi, die Schildkröte, nun einen Abstecher zum Schloss Seefeld und an den Pilsensee gemacht. Unter dem Titel „Die Freunde vom See – und die mutige Rettung“ treffen sie auf ein verschrecktes Eichhörnchen, das aufgeregt von einem „schrecklichen Ungeheuer“ erzählt, dem sie gerade begegnet sei. „Beim Baden im Pilsensee ist plötzlich ein Ungeheuer aufgetaucht. Es hatte riesige Hörner und das Wasser hat gebebt und geblubbert. Da bin ich schnell weggerannt, um Hilfe zu holen“, stammelt das Eichhörnchen… Ja, und hier beginnt als Nebenschauplatz eine durchaus kuriose Geschichte. „Meine drei mutigen Freunde machen sich natürlich sofort auf die Suche nach dem Ungeheuer“, erzählt Monika Roming. Um über den See zu schippern aber leihen sie sich am Campingplatz drei SUP-Boards aus. Chef der Verleihstation im Buch ist ein stattlicher Gorilla namens Guido. „Als ich beim Schreiben der Texte war, hatte ich keine Ahnung, wer da unten am Pilsensee tatsächlich für den Verleih zuständig ist“, räumt die Grafikdesignerin aus Herrsching ein. Es war ursprünglich auch nicht geplant, am Bootshaus ein Foto zu machen. „Ursprünglich hatten wir ja die Idee, wegen der Buchvorstellung in einem der Gewölbe von Schloss Seefeld eine Lesung für Kinder zu organisieren. Leider hat sich das dann als nicht machbar herausgestellt.“ Weshalb sich die 39Jährige Zweifach-Mama auf die Suche nach einem geeigneten Platz für ein Pressefoto machte. „Da stand ich dann vor der Hütte des SUP-Board-Verleihers und war echt überrascht, dass dieses Bootshaus dem in meinem Buch total ähnlich sieht. Mehr aber noch überraschte mich, als der Verleiher seinen Namen nannte. Er heißt tatsächlich Guido, wie mein Gorilla.“ Guido Meier vom Bavarianwater SUP zeigte sich auch sofort bereit, für das Pressefoto zur Verfügung zu stehen, freute sich Roming. Ach ja, wer sich schließlich als Ungeheuer entpuppt, wird hier nicht verraten.

 

Die großformatigen Illustrationen stellte Roming wie üblich aus Original-Fotos her, in die sie ihre gezeichneten Figuren geschickt mit einfließen lässt. „Um die Fotos vom Schloss und den Anlagen verwenden zu dürfen, brauchten wir allerdings die Genehmigung des Grafen von Toerring. Er hat aber sofort ja gesagt“, freut sich die Autorin. Geeignet ist das 32 Seiten dicke Buch für Kinder ab drei Jahren. Erhältlich ist es ab sofort zum Preis von 11.50 Euro im Buchhandel. Uli Singer

Rund 500 Gäste beim Weinfest

Rund 500 Besucher folgten der Einladung zum Weinfest im Dosch-Stadl im Altdorf in Gilching. Klar, wer nicht mit Wein starten mochte, bekam auch Bier... getreu dem Motto: "Wein auf Bier, das rat' ich dir. Bier auf Wein, das lasse sein!". Für musikalische Stimmung sorgten die "Kzwoa", die bis in die frühen Morgenstunden aufspielten. Unter den Gästen auch Landrats-Kandidat Stefan Frey (im weißen Hemd), der nach einer weiteren Rundreise durch den Landkreis wieder zurück nach Gilching kam, um bis weit nach Mitternacht mizufeiern. "Ich war ja bisher selten hier in Gilching. Muss aber sagen, hier fühle ich mich irgendwie zu Hause", schwärmte Frey. Gastgeber waren der Verein "Guichinger Madln und Burschen".

JOHANN KAINDL SCHWOFT MIT CAMILLA

Johann Kaindl mit Camilla und Prinz Charles

Breitbrunn – Geheimhaltung war oberstes Gebot, erzählt Johann Kaindl aus Breitbrunn. Und obwohl mittlerweile fast ein halbes Jahr vergangen ist, macht er wenig Gebrauch davon, dass er im Mai Tanzpartner von Camilla war. Ja, richtig, offizieller Tanzpartner der Ehefrau von Prinz Charles, mit der er im Münchner Hofbräuhaus einen flotten Walzer aufs Parkett legte.

Etliche Youtube-Filmchen zeugen davon, dass der 88Jährige seinen Zuhörern keinen königlichen Bären aufbindet, wenn er erzählt, Tanzpartner von Camilla gewesen zu sein. „Für mich war dies zwar schon ein wenig aufregend, aber auch nicht so besonders, dass ich es groß an die Glocke gehängt hätte“, wiegelt Kaindl  bescheiden ab. Zu der überraschenden Ehre war er durch seine tänzerische Passion gekommen. Bereits seit 1996 laden er und seine derzeit 23 Mittänzer und -tänzerinnen jeweils dienstags ins Hofbräuhaus zu einem Tanznachmittag bei Livemusik ein. „Und da kam der Wirt eines Tages auf uns zu und erzählte, dass Camilla und Prinz Charles im Rahmen ihrer Deutschlandtour auch nach München kommen und dass ein Besuch im Hofbräuhaus vorgesehen ist.“ Laut Protokoll war der die Stippvisite für Donnerstag, 9. Mai, vorgesehen. „Für uns war es kein Problem, auch ein zweites Mal die Woche das Tanzbein zu schwingen. Deshalb sagten wir sofort Ja.“ Als Tanzpartnerin für Prinz Charles war Margot Bissinger aus München vorgesehen. „Normalerweise ist sie meine Tanzpartnerin, doch anlässlich des hohen Besuches haben wir einfach mal die Partner gewechselt. Wir waren außerdem als Tischnachbarn der beiden eingeplant.“ Einmarschiert sind Camilla und Charles in Begleitung einer bayerischen Blaskapelle. Nachdem sie Platz genommen und ihre Tischnachbarn begrüßt hatten, wurde eine traditionelle Maß Bier aufgetischt. „Ich habe dann, wie es vorgesehen war, Camilla auf Englisch zum Tanzen aufgefordert. Ich muss zugeben, sie tanzte wunderbar“, räumt Kaindl ein. „Doch mit dem Bier konnten sich die beiden nicht so Recht anfreunden. Als sie wieder abgezogen waren, waren die Maßkrüge noch fast voll.“  Und obwohl sich Kaindl wie auch die restliche Gesellschaft streng an das Protokoll halten mussten, „irgendwie war es für uns ziemlich ungezwungen. Mei, des san halt a nur ganz normale Leid“.

Ach ja, wer Lust hat, wieder mal das Tanzbein zu schwingen, die Ü60Party im Hofbräuhaus steigt jeden Dienstag von 14.30 bis 17.30 Uhr. „Wir freuen uns über Zuwachs. Auch 90Jährige und darüber sind herzlich Willkommen.  Und wenn es mit dem Tanzen nicht mehr so klappt, man kommt ganz schnell wieder in den Rhythmus hinein. Außerdem ist Tanzen eine der gesündesten Sportarten, die es gibt“, sagt Kaindl.  Uli Singer

Aus der Not heraus eine Großfamilie gefunden

Immer ein volles Haus...

Constanze Hegetusch (Jeansjacke) und ihr Filmteam sowie Vera Pein (rote Jacke) mit freiwilligen Helfern und einigen ihrer Kinder

Inning (27. September 2019) - Vera Pein wird 1956 in Gauting geboren. Sie ist als Einzelkind aufgewachsen, träumt aber immer von Geschwistern und einer Großfamilie. Dieser Traum erfüllt sich erst nach einem langen Leidensweg. Das Team vom BR, Sparte „Lebenslinien“, ist mit ihr den schmerzvollen Weg zurück gegangen. Gezeigt wird der Film am Montag, 14. Oktober, 22 Uhr. 

„Ich hab‘ erst gedacht, das schaffen wir nie“, sagt Constanze Hegetusch. Die Weßlingerin ist Filmemacherin beim BR und hatte die Idee, sich mit der Geschichte Vera Pein auseinanderzusetzen. „Als ich das erst mal für eine Vorbesprechung zu Vera nach Hause kam, saß sie da, mit einem kleinen Bündel Mensch am Schoß, dass sich an sie klammerte und das sie auch nicht loslassen wollte.“ Es war der zweijährige Angelo, der seit gut einem Jahr bei seiner Pflegemama, wie auch seine Schwester Sophie sowie weitere vier Pfleglinge, lebt. „Wie soll man da in die Geschichte eintauchen und auch noch einen Film darüber machen, wenn dauernd irgendwelche Kinder rumwuseln?“, fragte sich Hegetusch. „Es klappte überraschend gut, weil Vera gute Freunde hat, die immer dann einspringen, wenn Not am Mann ist. Außerdem kann sie sich sehr eloquent ausdrücken und hat auch keine Scheu vor der Kamera. Das waren gute Voraussetzungen für den Film.“ Ein Film, der eintaucht in ein Leben, das über eine lange Strecke wenig Erfreuliches für die gelernte Krankenschwester parat hatte. Schon als Kind musste sie lernen, was es heißt, wenn das Geld plötzlich knapp wurde und oft auch nichts mehr zu Essen da war. „Trotzdem hatte ich eine behütete Kindheit, weil die Mama alles tat, damit es wenigstens mir gut geht.“ Flügge geworden fing Vera Pein in der Sportschule Grünwald als Sekretärin bei Dr. Helmut Pabst aus Gilching an. „Ich hatte aber nur eine Halbtagsstelle, das war mir zu wenig. Außerdem plagte mich das Fernweh und deshalb kündigte ich und ging nach Italien.“ Dort findet sie schnell Arbeit in einer Hotelanlage, im Winter gibt sie Deutschunterricht. Nach kurzer Zeit lernt sie Aldo, einen verheirateten Italiener, kennen und lieben. Als Vera ihr erstes Kind bekommt, entscheiden sich Veras Eltern, zur Tochter nach Italien zu ziehen. Sie brechen ihre Zelte in Gauting ab und kaufen einen alten Hof, in dem die Großfamilie leben bis zu ihrem Lebensende bleiben sollte. Doch dann kommt alles anders: Der Vater erleidet einen Schlaganfall, bei der Mutter wird Krebs diagnostiziert, und als Vera mit dem zweiten Kind schwanger ist, verlässt Aldo sie. Vera ist 36 und steht vor dem Nichts, zumal die Eltern keine Kranken-Versicherung in Italien abgeschlossen hatten. Einzig blieb die Flucht zurück in die Heimat. Gemeinsam mit ihren Eltern und Kindern zieht sie nach Drößling.  Da sie wegen der Kinder und des pflegebedürftigen Vaters ans Haus gebunden ist, aber ihre Familie finanzieren muss, wird sie aus der Not heraus Tagesmutter. Es wird zur Berufung und selbst der Traum von der Großfamilie ging in Erfüllung. Seither hat die 63Jährige über 60 Kindern langfristig aber auch mal für nur wenige Wochen ein liebevolles Zuhause geboten.  

Und was haben die langwierigen und intensiven Filmaufnahmen mit ihr gemacht? „Wir haben wirklich alle Wirkungsstätten aufgesucht, die ich oft fluchtartig verlassen musste. Mit den Kindern waren wir sogar in Italien, so dass ich auch dort Abschied nehmen konnte. Es war seelisch oft nicht auszuhalten und auch sehr strapaziös, so dass ich zwischendurch immer wieder krank wurde. Doch letztendlich hat es sich gelohnt. Ich  habe endlich meinen inneren Frieden gefunden“, zieht Pein ein glückliches Fazit.  Uli Singer